Uniform-I-Satz

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Formal

Die erste Strophe des Liedes Uniform I besteht aus einem einzigen Satz, der eine Eigenheit der deutschen Sprache benutzt. Sowohl im Perfekt, als auch in Nebensätzen etc. steht die finite Verbform am Ende. Erscheint nun vor diesen Verbformen ein Objekt und wird dieses ergänzt, so erscheint diese Ergänzung auch vor der Verbform. Wenn diese Ergänzung nun auch mit einer finiten Verbform endet, ergibt sich am Ende des Satzes eine Verbformhäufung, die bei konsequentem Aufbau zwar grammatisch richtig aber völlig unverständlich ist.

z.B.:

Solche haben gestern in Berlin gespielt.

Solche haben gestern in Berlin, als der Abend dämmerte, gespielt.

Solche haben gestern in Berlin, als der Abend, der noch lange dauern sollte, dämmerte, gespielt.

Solche haben gestern in Berlin, als der Abend, der noch lange, bis die Polizei kam, dauern sollte, dämmerte, gespielt.

Inhaltlich

Inhaltlich beschäftigt sich der Satz mit der Grundproblemtik, dass das Benutzen einer Sprache an sich problematisch ist und Zeichen eben meist nicht das Gemeinte bedeuten, sondern verstanden werden, was ein aktiver Prozess ist, der die Bedeutung von Zeichen konstruiert, sich die Bedeutung aneignet. Besonders deutlich wird das an dem Begriff "deutsch", der ja vor allem als sprachliche Kategorisierung nicht wegzudenken ist (s. a. deutschländisch). Das Singen in deutscher Sprache ist Partei, aber es geht auch kein Weg daran vorbei, da jede Sprache die Differenz zwischen Sprach-Mächtigen und Sprach-Nichtmächtigen evoziert. Und eine 'verständliche' Frage kann nicht privat sein, wie Wittgenstein in dem berühmten Privatsprachenargument klar darlegt. Wichtig ist besonders, den Sprachgebrauch kritisch und aufmerksam zu verfolgen, sich dem Sprach- bzw. Zeichengebrauch zu entziehen, ist nicht möglich. In Uniform I endet das Lied mit: Kein Sein bleibt frei, weil kein Sein bleibt rein. Alleinsein scheint Reinfall und ist auch vorbei.

Der Satz der ersten Strophe wiederum ist die formelle Umsetzung des Gedankens, dass ein Widerstand innerhalb der Regeln möglich ist, ein Widerstand gegen die Bedeutung, ohne die Regeln zu brechen: eine grammatisch richtige Dekonstruktion von Sprache, ein Paradoxon.

Der Text:

Wenn du auf deinem Weg, der dich vielleicht sogar zum Tor, das irgendwo schon auf dich, weil du ja so kommen, gehen, stehen oder wie auch immer kalkuliert eskalieren musst, wartet, hinführt, gehst, dann siehst du manchmal einen Blick, der dich in deinem Herz, das viel zu viel von all dem Schlechten, dass du jeden Tag und Nacht ertragen musst, obwohl es auch verkleidet ist und bleibt, verwirrt wird, rührt und deine Augen sind so blind, wie eigentlich die von denen, die doch eigentlich genauso wie du, da es da außer Stoff und dem Versteck nicht viel zu sehen gibt, krank aussehen, gemacht, trotz allem hängt dein Glück im Schrank, leicht vielleicht erweicht vom Schleier, der nun langsam auch die anderen, die schon so, wie sie, doch nie länger als einen ganzen Tag lang, sagten, sind, erreicht, nicht herum.