Russland-Tour II

Aus Solche
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Vorgeschichte

Im letzten Jahr war es wie ein Traum, als es sich abzeichnete, dass die Chemnitzer Rockgruppe „Solche“ nach Russland und Belarus fahren würde. Doch dann wurde es ernst und die Reise führte nach Moskau über den Roten Platz durch den Gorki Park nach Nowosibirsk und Tomsk, wo im Club Aelita mehrere DAAD-Lektoren anwesend waren. Unter ihnen Georgia Matthias, die sich bei den Organisationsvorbereitungen für die deutsch-sibirischen Tage an die beiden Krawallniks aus Sachsen erinnerte und es tatsächlich schaffte, die Flugkosten für die Solchen zu beantragen und auch genehmigt zu bekommen, was nicht so einfach war, da die Festivität im fernen und kalten Jakutsk stattfinden sollte (das ferner und kälter ist, als man glaubt).
Doch Georgia blieb dran und bald war klar, dass wir Anfang März nach Jakutsk fahren bzw. fliegen würden. Mirko Sennewald von kulturaktiv e.V. in Dresden hatte die Organisation übernommen – das hatte er ja schon letztes Jahr, aber da konnte er nicht mit – aber dieses Mal wollte er unbedingt mit nach Jakutien. Also warf er sich an Mail und Telefon, nachdem Andreas das Zeitfenster ausgegeben hatte: 27.2.-12.3. So bestimmt also der Chemnitzer Prüfungszeitraum die Deutsch-Russische Kulturzusammenarbeit! Nach gefühlten 2 Mio. E-Mails und ebenso vielen Telefonaten hatte Mirko eine beindruckende Tour zusammengemanaget, die, wie es nicht anders zu erwarten war, am 27. früh um halb sechs begann und gegen 23 Uhr am 12. enden sollte. Der Plan war einfach:
27.2. morgens Abflug, abends Konzert Moskau
28.2. Flug nach Jakutsk
29.2. Vortrag, Generalkonsul, Konzert
01.3. Besuch einer Schule, Konzert
02.3. Flug und Bus nach Barnaul, Konzert
03.3. Bürgermeister, Jugendparlament, Konzert
04.3. Stadtrundgang, Nachtzug nach Omsk
05.3. Vortrag, Konzert in Omsk
06.3. Fahrt nach und Konzert in Tara
07.3. Konzert/Lesung in einer Schule in Asowo
08.3. Nachtzug nach Nowosibirsk, Konzert
09.3. Bus nach Tomsk, Konzert
10.3. Bus nach Kemerovo, Konzert
11.3. Vorträge und Interview
12.3. Heimflug über Düsseldorf
Fast zu einfach… Die Reise war an sich ein unwahrscheinliches Organsationskonstrukt, welches nur funktionieren konnte, da alle Beteiligten an einem Strang zogen. Wohlgemerkt, dieser Plan war schon vorher so da und wurde tatsächlich eingehalten. Das ist immer noch unglaublich und man muss an dieser Stelle noch einmal erwähnen, das des Öfteren Zweifel an der Durchführbarkeit einer so eng geplanten Eventkette im Low-Budget-Bereich funktionieren könnte. Das es das letztendlich tat, war zum Großteil Mirko Sennewald von kulturaktiv aus Dresden zu verdanken, der bei einer unglaublichen Anzahl von E-Mails, Fragen und Telefonaten die Übersicht behielt und einen verrückten und extrem vollgestopften Reiseplan zur Realität werden ließ.
Noch kurz vor dem Start wurden die letzten Vorbereitungen getroffen und mussten Sachen abgeklärt werden, besonders die, die den Rest der Reise betrafen, da bis dahin ja noch zwei Wochen waren, was manchmal für russische Verhältnisse einen unwahrscheinlichen Planungsvorlauf bedeutete. Doch nichtsdestotrotz starteten wir pünktlich.

27.2.08 Berlin – Moskau

Die Zweite Russlandtour

Eigentlich begann ja die Reise nicht in Berlin, sondern in Chemnitz und zwar zu einer Zeit, als die letzten Partygäste aus den Kneipen fielen. So gegen halb 6 machten sich die zwei solchen Herren auf den Weg. Herr Krieger standesgemäß mit dem öffentlichen Personennahverkehr und Herr Neubert sportlich wie eh und je zu Fuß. Der erstere war (im Gegensatz zur Prophezeiung von olle Inri) der erste und nach einer Kaffeeorderung trudelte Herr Neubert ein und kleine Schweißtröpfchen auf seiner Stirn gaben Kunde von den 25 kg ‚Handgepäck‘, die er gerade durch die erwachende Stadt geschleppt hatte.
Im Zug, wir hatten doch den Vogtlandexpress genommen, obwohl die sich beharrlich geweigert hatten, uns die Euro Fahrtgeld zu sparen und ein wenig den deutsch-russischen Kulturaustausch zu unterstützen, war genug Zeit zu schlafen und nach einigem Umsteige-Hin-und-Her trafen wir am Flughafen Schönefeld ein, äußerst gespannt auf die zwei Gäste, die sich der (Tor)Tour auf eigene Faust (und Kasse) anschließen wollten, um die russische Weite zu ergründen. Und wir sollten natürlich Mirko treffen, die Allzweckwaffe gegen alle organisatorischen Unwegbarkeiten, den Stern, dem wir für die nächsten Tage zu folgen bereit waren.
Natürlich standen die drei schon da und nach kurzem Gespräch stellten wir fest, dass wir Frank bereits kannten (aus uralten Uni-Zeiten). Er stammt vom Chemnitzer Kassberg und war auch (mehr oder weniger) Student. Sehr sympathisch! Schnell mussten noch die letzten Billigtelefongespräche geführt werden. Und dann ging es los. Ludwig war am Anfang etwas reservierter (was, wie wir nach der späteren Annäherung noch feststellen durften, seine Art war), besonders nach dem Einchecken, da ihm bei der recht imposanten Kontrolle sein Feuerzeugbenzin entzogen wurde. Auf jeden Fall machten wir schon einmal durch die Kollegen vom Flughafen visuelle Bekanntschaft mit den vielen nützlichen Geräten und Medikamenten, die Ludwig in seiner ‚Survivaltasche‘ verborgen hatte.
Dann starteten wir und nach dem obligatorischen Ausfüllen der Immigrationsbescheinigungen (one for you and one for me) und einem leckeren Mahl, das wirklich genau zur rechten Zeit kam, landeten wir planmäßig am trüben Nachmittag in Moskau Domodedowo. Dort ging es gleich samt Gepäck (hier wurde nicht das letzte Mal über das Gewicht geflucht) in den Zug, um in die Stadt zu düsen, schließlich sollte 19 Uhr Soundcheck sein. Also ein kleines Rauchpäuschen und dann trennte sich die Reisegruppe, da Ludwig und Frank den Abend mit einem Freund verbringen wollten.

27.2.08 Moskau

Die Zweite Russlandtour

Da waren wir also in der Hauptstadt der russischen Förderation. Schon wieder, wie Forrest Gump sagen würde. Nun diesmal war es nicht der Rote Platz und nicht der Gorki Park, wir sollten im Klub Zhest spielen, was wohl soviel wie ‚cool‘ bedeutet und nichts (wie auf unserer Homepage angekündigt) mit 6 (russ.: Shest) zu tun hat. Aber der Reihe nach. Von der Bahn wurden wir durch Nikita abgeholt, der sehr gut deutsch sprach und der mal ein Praktikum bei kulturaktiv machen durfte. Mirko kannte ihn recht gut und so war alles schnell geklärt. Mit der Metro durch die Stadt und dann mit der Metro weiter (und dem ganzen Gepäck) erst einmal in den Club. Solche schnieften und keuchten im Akkord, da Holm zwar Rollen am Koffer hatte, die aber ob des dunkelgrauen Schnee-Wasser-Matsches, der deprimierenderweise die Farbe des Himmels hatte, nicht einsetzen wollte. Nach einigermaßen aufreibender Schlepperei, die kaum Raum (bzw. Luft) für ein kleines Gespräch mit Nikita bot, ging es dann in einen Hinterhof und von dort aus in den Keller, in dem unsere Reise nicht wie Blairwitch Project endete, sondern unser Blick auf einen sehr nett eingerichteten Club fiel. Mehrere Buchrücken waren an die Wände geklebt (und an die Toilettentür). Natürlich waren wir wieder viel zu früh am Start und verbrachten erst einmal ein paar Minuten mit hochkonzentrierter Vorbereitung auf den bevorstehenden Auftritt. Wir aßen Pelmeni (Herr Krieger) und Borschtsch (Herr Neubert), was auf der weiteren Reise auch unsere Leib-und-Magen-Speise bleiben sollte. Schließlich ist alles, also auch Geschmack relativ und da wir am liebsten über die unbestreitbaren Sachen streiten, mussten wir erst einmal ethnogastitive Daten sammeln. Aber dann kamen irgendwann auch die Jungs und das Mädchen von Cheshire Cat, die schon ganz aufgeregt waren. Sie wollten ihr Konzert im berühmten Club Zhest auch mitschneiden, und mussten die Kamera mit Einsatz einer Unmenge an Gaffa am Stativ fixieren. Wir entwarfen ein wunderschöne Setlist für die russische Hauptstadt und Mirko redete angeregt mit irgendwelchen Kulturleuten vor Ort.
Andreas spielte uns noch ein paar spanische Ska-Songs vor, denn er hatte sich vor Abflug gerade ein neues Handy besorgt und in mühevoller Kleinarbeit seine gesamte CD-Sammlung auf den neuen MP3-Player gezogen (der natürlich außerdem auch telefonieren konnte). Dann hieß es auch schon: Soundcheck und nach den üblichen zehn Minuten waren wir auch schon durch. Dann kamen die anderen, die Cats sozusagen und die braucht etwas längere, hatten aber auch eine interessante Besetzung: Drums, Kontrabass, Violine, Gitarre, männliche und weibliche Leadvocals. Die machten ganz schön coole Musik und wir freuten uns sehr auf den Abend, nicht zuletzt auch weil der Club sich langsam füllte. Dann begann die russische Band (die im Backstage schon mal die Spirituosen klar gemacht hatten) mit einem furiosen Auftritt. Der kleine Sänger wirbelte wie wild herum, sang sehr emotional und der Auftritt hatte eine sehr gute Dramaturgie. So kamen dann auch am Ende die schnelleren Stücke, bei denen das Publikum durchaus mitging. Der Konzertraum, der nicht viel größer war, als der Backstage, was aber eher daran lag, dass letzterer recht großzügig bemessen war, war also bereit für unser Konzert und als die andere Band fertig war, wurden wir gleich ganz schön auf die Bühne gehetzt. Wir starteten und waren guter Dinge, dass wir a) den Zeitplan einhalten würden (das Ende war auf 24 Uhr festgesetzt und b) eine Menge Spaß haben würden, denn wir waren echt heiß wieder mal ein wenig in Russland zu musizieren. Wir gaben alles und es war ein richtig schönes Konzert, die Leute sangen sogar ein wenig mit und es wurde auch getanzt, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass ein ca. fünfzehnköpfige Truppe aus der Botschaft dort ziemlich gut den Katalysator gab. Manchmal war zwar der Lärm aus dem Backstageraum lauter als die Lautstärke im Konzertraum, dort schien eine ganz schöne Party zu steigen, später erfuhren wir von Mirko, der mal zu einem kurzen Check im Backstage war, dass die Sängerin der Vorband sich gerade auf dem Tisch entkleidete und mehrere Spirituosenflasche bereits geleert auf dem Tisch standen.
Mirko floh gleich wieder von da und schaute lieber zu, wie wir uns den Arsch abrockten. Er ist halt ein richtiger Kunstliebhaber… Etwas faszinierender war der Schluss unseres Konzertes. Punkt 24 Uhr ging in dem Laden das Licht an – wir spielten gerade das vorletzte Lied – und quasi alle standen auf und gingen nach hause. Ein bisschen verdattert saßen wir auf der Bühne rum und brachten noch irgendwie unser Set zu Ende. Dann ging es auch ratzfatz ans Abbauen und nach einem kurzen Intermezzo, bei dem Holm der Sängerin der Cats ein recht aggressives „Njet!“ an den Kopf schleudern musste, war auch die Vorband weg (natürlich nicht, ohne sich vorher zu verabschieden), samt ihren Instrumenten und Andreas’ Handy hatte sich auch in Luft aufgelöst. Mmmh. Konnte ja keiner ahnen, dass im Backstage-Bereich Orgien gefeiert werden (BEVOR die Hauptband fertig ist – HaHa).
Nun wir tranken noch ein Bierchen und dann ging es in die deutsche Botschaft, in der in einer typischen Botschaftswohnung für uns schon ein Plätzchen reserviert war. Das kulturelle Highlight der Wohnung bestand aus einem (in Zahlen: 1) Bierkrug, alles andere war nett formuliert unpersönlich. Mit Andreas war gerade nicht wirklich Staat zu machen, weil er noch ganz schön sauer wegen seines Handys war. Nun, trotz allem wurde der Balkon unserer Wohnung mit Bier und Zigaretten bevölkert und tiefgreifende philosophische Probleme gewälzt und eine unterm Strich durchaus positive Bewertung des Abends getroffen. So (bis auf die bitteren Verluste) konnte es ruhig weitergehen.

28.2.08 Moskau-Nowosibirsk-Jakutsk

Die Zweite Russlandtour

Dieses sollte nun also ein richtiger Reisetag werden. Der Flug von Moskau startete gegen Mittag, so dass wir entspannt aus der deutschen Botschaft auschecken konnten. Dabei trafen wir noch ein paar alt Bekannte, Botschaftsangehörige, die uns noch vom vorigen Jahr kannten. Wir fuhren also wieder mit dem Zug nach Domodedovo und trafen dort wieder auf unsere zwei Gäste, die wohl auch einen sehr netten Tag (und Abend) verbracht hatten. Wir stiegen nun also in die Maschine, die uns den ersten Sprung nach Novosibirsk bringen sollte. Ein angenehmer Flug brachte uns nach den üblichen Kontrollen und der Überprüfung unserer Taschen auf gefährlichen Inhalt wie Mineralwasserflasche mit mehr als 250ml Inhalt weg vom unglaublich hektischen und unglaublich schmutzigen Moskau. Wir landeten gegen Mitternacht in Novosibirsk und hatten dort ein sehr schönes Plätzchen im Transit-Wartesaal bekommen. Zusammen mit W-Lan und Zugang zu den Läden des Flughafens (und natürlich des Raucherzimmers, welches durch freundliche niktoinfarbene Fliesen zu beeindrucken wusste) wo wir große Mineralwasserflaschen kaufen konnten, da uns keine Kontrolle mehr drohte.
Da wir völlig unterroristisch unterwegs waren, war das auch kein großes Problem. Mirko lud noch schnell seine 500 (gefühlt) E-Mails herunter und dann ging es auch schon zum Flugzeug nach Jakutsk und gegen 5 Uhr morgens landeten wir dann in der Hauptstadt von Sachar/Jakutien. Die Temperatur lag bei gediegenen -35° und am Fuße der Gangway konnte man bei Bedarf seine Nasenhaare abbrechen. Vor Ort sollte uns Larissa betreuen, die uns auch schon am Ausgang erwartete. Sie bat uns in das Auto, da die Gepäckausgabe wohl gewöhnlicherweise etwas auf sich warten ließ. Mirko lehnte ab, da er noch eine Zigarette rauchen, wir anderen priesen die technischen Vorteile der Standheizung. Eine halbe Stunde später ging es mit dem Gepäck los und wir stießen wieder zu unserem halbunterkühlten Tourmanager. Der wurde aber für sein Warten belohnt, denn der rustikale Charme der Jakutsker Gepäckausgabe wurde von der Anwesenheit einer Katze gekrönt, die unser katzenliebender Manager so auf den Arm nahm und kuschelte, worauf Ludwig auf diverse übertragbare Krankheiten hinwies. Während alle lachten, bahnte sich ein bürokratischer Großunfall an, der mit dem Gepäckausgabesystem in Russland zu tun hat.
Man bekommt seinen Gepäckschein und nur mit diesem kommt man aus der Gepäckausgabe mit seinem Gepäck, auf dem die gleiche Nummer stehen muss, raus. Nun hatten wir zwar unsere Scheine, aber leider waren die Nummern an den Gepäckstücke irgendwie abgegangen oder vor Kälte freiwillig abgesprungen, nun jedenfalls hatten Larissa und Mirko gleich alle Hände voll zu tun, um unser Gepäck aus den Fängen des finster dreinschauenden (5 Uhr morgens!) Flughafenpersonals zu befreien. Doch es gelang und so konnten wir dann Richtung Stadtmitte starten, wo wir in einem Studentenwohnheim untergebracht waren. Da das Selbstversorgung hieß, wurde noch ein wenig Kaffee, Wurst, Käse und einige Süßigkeiten aufgeladen und so kamen wir bald im Wohnheim an. Larissa sprach unglaublich gut Deutsch und erzählte uns viel über das Land und die Leute. Besonders schön war die Geschichte von dem Engel, der über die Erde schritt und Bodenschätze verteilen sollte und wie er nach Jakutien kam, warf er alles hin und steckte seine Hände in die Taschen, weil es da so kalt war. Und deshalb gibt es da auch alles Gas, Öl, Edelsteine, Halbedelsteine, Diamanten und Gold. Und natürlich eine Menge Fossilien im Permafrostboden, die aber natürlich kein Bodenschätze sind. In der Region leben ca. 600.000 Menschen, die Hälfte davon in der Hauptstadt Jakutsk an der Lena. Das sind ganz schön wenige, wenn man bedenkt, dass die Region neunmal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland. Die Zahl ist 3 (Quadratkilometer pro Einwohner).
So gegen sechs fielen wir ins Bett und waren erst einmal froh, die Reise gut überstanden zu haben. Der Empfang war sehr nett und wir freuten uns auf den nächsten Tag. Georgia Matthias und die anderen Kollegen vom DAAD wohnten auf demselben Gang, allerdings in den Dozentenunterkünften, wir waren auf der Studentenseite untergebracht, zusammen mit ‚ausländischen‘ Studentinnen aus Österreich und einer Amerikanerin. Sehr angenehm.

29.2.08 Jakutsk

Die Zweite Russlandtour

Unsere Reisegäste wohnten im Hotel, so dass wir sie erst (nach einem kurzen Frühstück mit Instant-Kaffee, außer Mirko, der hat sich überall knallhart seinen Türkischen gezaubert) später treffen sollten. Sie waren bereits für das offizielle Programm als Juroren für so eine Art deutschsprachige Talente-Show verplant und unser erster offizieller Termin in Jakutsk war ein Vortrag von Holm über die Möglichkeit, Kafka auch einmal lustig zu lesen. Der Vortrag war gut besucht und es gab einige verdutzte Gesichter, als Holm erklärte, dass es in der germanistischen Literaturwissenschaft durchaus mehrere verschiedene Interpretationen von Kafkas Werk gäbe, die alle relativ gleichberechtigt nebeneinander bestünden, es also keine ‚richtige‘ gibt. Besonders die durchaus nette Lehrkraft wollte das nicht so recht glauben und fragte immer wieder nach dem Mystischen und Magischen in Kafkas Werk.
Besonders die akustische Live-Performance des Solche-Songs „Vor dem Gesetz“, der explizit den Titel von Kafka zentraler Parabel aus dem Roman „Der Prozeß“ aufnimmt, sorgte für regen Beifall am Ende. Dann gingen wir zum Kulturzentrum, wo wir Ludwig und Frank noch ein wenig bei der Arbeit als Juroren zuschauen durften. Das war sehr witzig, da die beiden sich extreme Mühe gaben und hochkonzentriert bei der Arbeit waren. Die kulturellen Beiträge waren vielgestaltig und reichten vom Volkslied bis zu Xavier Naidoo, der von einem jakutischen Studenten sehr emotional interpretiert wurde, so dass uns „Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt…“ den ganzen Tag im Ohr blieb. Aber wir konnten leider nur sehr kurz zuschauen, weil wir schon auf dem Weg zu unserem nächsten Termin waren. Der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Herr Michael Cantzler, hatte zum Empfang gebeten und der deutsche Kulturexport war auch eingeladen. Nun, was soll man sagen, es gab Reden und Essen, Warsteiner und Fotos. Die lustigste Episode de Empfangs war der Versuch des Generalkonsuls, etwas Smalltalk mit unseren Gästen zu führen, was Ludwig veranlasste, einen recht theoretischen und sehr genauen Vortrag über das Bewertungssystem des Talentewettbewerbes zu halten, welches sogar den Generalkonsul überforderte und alles in allem ein unglaublich witzige Begebenheit war. Dann blieben wir gleich im Kulturzentrum, waren wir doch am Abend zum festlichen Abtakt der deutsch-russischen Tage eingeplant und sollten auf der großen Bühne ein paar Liedchen zum besten geben. Die Zeit dahin verging wie im Flug, da das Programm lief und uns interessante Einblicke in das kulturelle Leben in Jakutsk bot. So war ein unglaublich mitreißendes Streicher-Ensemble auf der Bühne, die klassische Werke (u.a. Haydn und Bach) mit unglaublicher Verve interpretierten, so dass sogar wir Rocker davon mitgerissen wurden.
Interessant waren auch Diskussionen, die Holm noch mit ein paar Studentinnen über Kafka führte, scheinbar war der Vortrag nicht auf taube Ohren gestoßen, die Mädchen hatten sich Gedanken gemacht und noch einige Fragen zum Vortrag am Nachmittag. Aber dann kam auch schon die Zeit des Auftritts und es stellte sich heraus, dass weder genügend Mikrofone für das anwesende Schlagzeug, noch eine kleine Trommel da war, so dass wir unser Notfallpack mit Cajon auf die riesengroße Bühne brachten. Das war recht einfach mit dem Aufbau und wir wurde lautstark und begeistert auf der Bühne begrüßt. Wir spielten ein recht kurzes Set von einer halben Stunde, aber was da an Applaus und Lautstärke an der Bühne ankam, war einfach unglaublich. Wir gaben alles und waren trotz der kurzen Zeit am Ende durchgeschwitzt und glücklich. Wir mussten noch einige Autogramme geben, einige davon auf Tokio-Hotel-Poster, aber naja, so ist die Welt! Man kann ja über die Manga-Rocker aus Magdeburg sagen, was man will, aber was deutschsprachige Rockmusik angeht, haben sie im Ausland echt Türen, Ohren und Herzen geöffnet. Danach gab es noch eine deutsche Disko, bei der Mirko alias DJ MickTen auflegte und als Kettcars „Deiche“ durch die ehrwürdigen Halle der Jakutischen Universität schallte, konnte auch Holm nicht mehr an sich halten und tanzte wie ein Wilder.
Dann wurde die Diskothek unterbrochen für eine Dame im traditionellen jakutischen Gewand, die auf einer Art Maultrommel spielte und zeitgleich diverse Naturgeräusche wie Pferdewiehern und Vogelzwitschern erzeugt. Ein bisschen wie beatboxing auf jakutisch, sehr cool und interessant. Dann kam noch ein Mann, der gern gewählt werden wollte und verteilte Infozettel und sprach ein paar Worte. Danach war ein bisschen das Diskofeeling raus, obwohl MickTen sogar Rammstein auf den Teller (bzw. in den Traktor 3 seines PCs) brachte und wir gingen noch in ein Café in der Nähe der Universität, das wie jeder Lokalität in Jakutsk eine Garderobe hatte (der Kälte wegen) und tranken noch ein gutes Sibirskaja Korona auf den gelungenen Tag. Im Wohnheim saßen wir dann noch ein wenig mit unseren Mitbewohnerinnen herum und tranken diverses, redeten und erfüllten unseren kosmopolitischen Kulturauftrag auch in Bezug auf die deutsch-österreichisch-amerikanischen Beziehungen. Da es am nächsten Tag recht früh losgehen sollte – wie waren zusammen mit weiteren Vertretern, besonders des DAAD nach Chadassy eingeladen, in eine Schule in der Nähe von Jakutsk, gingen wir dann auch schlafen.

1.3.08 Jakutsk

Die Zweite Russlandtour

Am nächsten Morgen wurden wir also wieder abgeholt, um zu der Schule zu fahren. Dabei fiel unser wieder auf, wie pünktlich unsere jakutischen Gastgeber waren. Vielleicht liegt das ja an der ständigen Kälte (die diesen Namen wirklich verdient), dass man in diesen Breiten andere Leute nicht warten lässt, nicht einmal fünf Minuten oder so, sondern, wenn um 9 ausgemacht ist, trifft man sich 9.00 Uhr. Faszinierend. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass in der Nähe von Jakutsk der einzige Ort der Welt ist, dessen Temperaturunterschiede über 100° betragen. Im Winter -60° und im Sommer +40°. Kein Wunder, dass die Menschen mit den am Tage herrschenden -27° sehr gut umgehen konnten und das ganze ‚Frühlingsanfang‘ nannten. Andere Länder, andere Sitten. Jedenfalls als wir 9.00 gerade unsere Schuhe anzogen stand Larissa in der Tür und fragte, ob wir nicht fertig seien und dann ging es auch schon los in größerer deutscher Horde mit einem älteren Kleinbus, bei dem wir uns, entgegen Larissas Rat, ganz hinter setzten, was zur Folge hatte, dass wir bei jedem Schlagloch (und das waren nicht wenige) ca. einen halben Meter nach oben geschleudert wurden. Merke: Der Fahrer sitzt am besten! Dahinter geht es auch noch. Hinten schlecht.
Als wir dann in der Schule angekommen waren, wurde die Delegation von einen traditionellen jakutischen Chor Begrüßt und auch die obligatorische Kamus, die Maultrommel, kam zum Einsatz. Dann wurde ein schamanisches Ritual zur Beschwörung des Feuergeistes durchgeführt, was aus dem rituellen Verbrennen von diversen Kultsachen wie Pferdehaar etc. bestand. Dabei murmelte die Schamanin (so wurde uns gesagt) etwas von Reichtum und Glück. Das ganze wurde etwas konterkariert vom Kontext, da die Schule eine Neubauschule war und das alles im Foyer auf Fliesen stattfand. Aber der Empfang war sehr schön, es wurden noch Plätzchen und Kumys verteilt, eine Art vergorener Stutenmilch, die aussah, als hätte sie zulange in der Sonne gestanden und etwas sauer schmeckte. Aber nicht schlecht. Dann ging es zu verschiedenen Hospitationen, die die Band Solche, zusammen mit verschiedenen anderen deutschen Vertretern in den Technikraum der Schule führte, wo Schüler, die Deutsch als 2. Fremdsprache lernten, eine Stunde zu Grimms Märchen abhielten. Das war besonders für den promovierten Pädagogen der Band sehr interessant. Andreas verfolgte das Geschehen mit offenen Augen und Ohren.
Zuerst erzählte die Lehrerin recht frontal, aber mit unglaublicher Herzlichkeit von den Grimms Märchen, dann wurden Vokabeln geübt und verschiedene Sprachspiele gemacht. Besonders auffällig waren die Bemühungen der Lehrerin, den Zeitplan einzuhalten, was ein häufig vorkommendes „Schneller, schneller“ zur Folge hatte. Dann hielten zwei Schüler Vorträge (Powerpoint-Präsentationen, Hörthört) über die Brüder Grimm und die deutsche Märchenstraße. Dann kam der Hammer. Die Lehrerin ging mit einem Stift an die, wie sich herausstellte, interaktive Leinwand und startete ein Programm zur Leistungskontrolle. Dort gab es multiple choice-Fragen und die Schüler hatte kleine Abstimmgeräte am Platz, mit denen sie zwischen A, B, C und D wählen konnten, wenn alle abgestimmt hatten, kam die nächsten Frage. Am Schluss wurden die Antworten ausgewertet und jedem konnte anhand der Nummer seines Abstimmgerätes ein Antwortprofil zugeordnet werden. Da saßen nun die Deutschen in der Nähe von Jakutsk, sahen sich an mit großen Augen und fragten leise: „Hast du schon mal so etwas gesehen?“, was allgemeines Kopfschütteln zur Folge hatte. Am Schluss der Stunde ging die Lehrerin (ca. 50 Jahre alt) noch auf GoogleEarth und zeigt den Schülern die deutsche Märchenstraße. Verrückt. Sehr gute Lehrstunde zum Thema Vorurteile.
Dann wurden alle in die Aula gebeten, dort hielt der Direktor der Schule einen Vortrag über die Geschichte der Schule und das Gründerehepaar, die durchaus ein besonderes pädagogisches Konzept entwickelt hatten, es gab verschiedene Kulturdarbietungen, z.B. Tanz und deutsche Volkslieder, bei denen u.A. die Melodie von BiBaButzemann von einem Akkordeon begleitet wurde, was ziemlich zielgenau die Moll-Tonart des Liedes begleitete, was diese Lieder etwas melancholisch, aber auch sehr russisch machte. Die Solchen gaben noch ein kleines Ständchen, was mit viel Applaus bedacht wurde und danach wurde noch ein paar Fotos gemacht, wobei die jakutischen Jugendlichen nicht verstehen konnten, warum wir uns nicht mit dem deutschen Jagdflugzeug aus dem 2. Weltkrieg fotografieren lassen wollten, an dessen Heckflosse ein Hakenkreuz prangte. Es gab auch russische und amerikanische Nachbauten und das war uns irgendwie lieber. Dann ging es in die Schulküche zum Mittagessen. Es gab verschiedene jakutische Köstlichkeiten und Schampanskoje und Wodka. Viel Fisch und Pferdefleisch, aber auch viele süße Dinge und Obst (was wirklich eine Leistung und wohl auch einen finanziellen Wert darstellt, da Jakutsk nur sehr aufwändig zu erreichen ist). Ludwig öffnete den Schampanskoje und jagte den Korken prompt in die Gipskartondecke, später stellten wir aber fest, dass es nicht der erste Abdruck war. Die Renovierung und Ausstattung der Schule war übrigens nicht zuletzt auf die kräftige Unterstützung eines Präsidenten der Region Sachar zurückzuführen, der diese Schule als Kind besuchte. Also Durchschnitt war das bestimmt nicht.
Im Programm folgten dann längere Danksagungen an die Deutschlehrerinnen der Schule, auch ehemalige waren da und brachten deutsche Literatur mit und schenkten sie der Schule. Es wurde oft geprostet und viel geredet, es gab sogar ein Ratespiel, wo nach einem berühmten deutschen Schachmeister der 70er Jahre gefragt wurde. Es ist nicht zu fassen, aber Ludwig kannte sogar den Namen. So gewann er ein Stück Volkskunst. Die Lehrer und Schüler der Schule gewannen unsere Herzen und so fiel uns der Abschied sehr schwer, aber wir waren ja im Stress, schließlich sollte am Abend noch ein Konzert stattfinden. Trotz des engen Zeitplan konnten wir Larissa überreden, noch einmal kurz mit der gesamten Truppe an die Lena zu fahren, wo wir auch das erste Mal die berühmten Straßen über den zugefrorenen Fluss bestaunen konnten. Nachdem Ludwig in einer einsamen Ecke (nur Andreas mit dem Fotoapparat war dabei - haha) noch seinen schon lange angepeilten Pinkeltest machen konnte (Man pinkelt keine Eiswürfel bei – 30°), starteten wir zurück nach Jakutsk und von dort direkt in den Club Drakon, wo wir abends aufspielen sollten. DJ MickTen war auch gebucht und so kam es, dass wir bald darauf (natürlich pünktlich) im Klub aufschlugen und unsere Augen größer und größer wurden. Nicht nur dass die Eintrittspreise recht saftig waren (umgerechnet 12 €), der Klub stellte sich als Sammelsurium diverser Gastronomiekonzepte unter einem Dach heraus, denen ein kultureller Grundgedanke gemeinsam war, viel Geld zu machen. Die Preise waren nicht von schlechten Eltern, oder wie Frank kommentierte: „Preise wie in der Apotheke“. Es gab ein Bier-Pub mit selbstgebrautem Bier, eine Sports-Bar mit riesengroßen Plasma-Fernseher und Zapfhähnen an jedem Tisch. Eine Karaoke-Bar. Einen Weinkeller mit französischen und italienischen Weinen (keine Ahnung, wie wir Mirko da wieder rausbekommen haben), eine Poker-Lounge (Mindesteinsatz 200€) und eienen riesen Club-Dance-Floor mit gigantischen Boxen und einem Dj-Pult, was in einen 7-Meter-hohen Tyrannosaurus Rex eingearbeitet war, der in Moskau angefertigt worden war. In der Galerie im Dancefloor war eine Sushi-Bar und die VIP-Kabinen der älteren Herren, die sich die jungen Mädels beim Tanzen anschauen wollen. Mh. Überhaupt war „wie in Moskau“ das wohl gängige Gütesiegel des Betreibers. Nun wir fanden Jakutsk viel besser. Vielviel besser, wobei uns Uli Deutschmann, die in Moskau lebt und mittlerweile eine richtig gute Bekannte von uns ist, immer wieder darauf hinweist, dass wir Moskau nur noch nicht richtig entdeckt hätten. Kann sein, ist ja auch groß, aber das vorläufige Urteil heißt: Moloch!
Doch zurück – Soundcheck. Der Techniker wollte uns erst erklären, dass wir keinen Monitor brauchen, aber ein kurzes „Ne diskutirovat, delat!“ des Chefs vervollständigte unser Equipment und so konnten wir einen guten Soundcheck machen. Es gab sogar ein Schlagzeug und so warteten wir auf die Jungs von unserer Mitstreiter-Band „103“ (Stotri), deren Bassist sogar deutsch sprach. Verrückt. Die machten eine sehrsehr schöne Musik mit schweren Gitarren und Kamus (Maultrommel). Das traditionelle Instrument gab der Musik einen für unsere Ohren ganz ungewöhnlichen Touch und so waren wir sehr begeistert. Unser Auftritt auf der kleinen Bühne im hellerleuchteten Pub lief besser, als wir gedacht hatten. Es war sogar ein Reporter da, der ein Interview mit uns machte und Deutschland, Karl-Marx-Stadt und das Hotel Mercure kannte. Welt-Dorf-Dings. Konzert war sehr cool, es wurde auch getanzt und gejubelt (Uli und Georgia waren auch dabei) und die Studenten (sieh da, sieh da, Tomatentheo – da waren auch welche aus Österreich da) legten sich echt ins Zeug. So wurde das alles in allem ein schöner Abend, obwohl wir noch im Büro des Chefs Interviews geben mussten und ein paar Werbesprüche absondern mussten. Da schaute sogar Wladimir Putin von der Wand etwas nachdenklich auf uns herab. Ein weiterer interessanter Fakt war, dass der ursprünglich Club Rockgarage gecancelt wurde, weil der Weg für die Studenten so weit gewesen wäre. Deshalb wurde ein Club in der Stadt genommen. Das Ganze auf Betreiben der Universität, die sich ganz schön für die Studis ins Zeug legt.
Wir setzten uns dann ab (der Taxifahrer, mit dem wir nach Hause fuhren „Kemmaforn?“, erließ uns zehn Rubel, das hatten wir bis dato auch noch nicht erlebt), da wir ja noch Karten schreiben wollten, die uns liebenswürdigerweise die Uli besorgt hatte (samt Briefmarken). Danke noch mal. So schrieben wir noch Karten aus Jakutsk und legten uns dann Schlafen, denn früh am Morgen sollte schon unser Flieger gehen, der uns nach Novosibirsk bringen sollte.
So endete unser Aufenthalt in Jakutsk, eine Stadt, die uns viele Menschen näher brachte und uns sehr sehr gut gefiel, obwohl sie so kalt ist, ist dort eine allgemeine Wärme und Freundlichkeit, die sich unglaublich abhebt von vielen Orten, die wir bisher gesehen haben. Natürlich liegt viel daran, dass diese Stadt sehr sauber wirkt (weiß von Schnee), die Auto viel entspannter Fahren (überall Glatteis) und das Kollektive kulturell viel stärker verankert ist, bei den Wetterverhältnissen. Aber wie gesagt. Sehr, sehr schön. Da bekommt man als Teil eines Industriestaates schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn man hört, dass die Klimaerwärmung hier besonders sichtbar wird, weil die Häuser auf Pfählen gebaut sind und da der Permafrostboden tiefer auftaut, passiert es, das Häuser wegbrechen oder schief stehen. Dass die Ausbeutung der jakutischen Bodenschätze eher weniger der jakutischen Bevölkerung zugute kommt ist wohl kein spezifisches Problem, aber trotzdem schlecht. Wir hoffen, irgendwann zurückzukehren. Am nächsten Tag standen wir sehr früh auf und Larissa und Vladlen (dem ein großes Dankeschön ausgesprochen werden muss, da er unauffällig und unspektakulär viele Sachen organisiert hat) holten uns ab und brachten uns zum Flughafen. Dort gaben wir unsere Ansichtskarten an Larissa, die versprach, sie einzuwerfen (mittlerweile sind auch alle angekommen). Wir erhielten noch Abschiedsgeschenke in Form eines Talismans, einer jakutskaja dewotschka (Das ist das Gesicht eines Mädchen, das von Fell umrandet ist und witzigerweise wirklich so aussieht wie ein jakutisches Mädchen). Überhaupt sind dort sehr wenige Kleidungsstücke ohne Fell, Mützen, Mäntel, Stiefel werden daraus gemacht, aber nicht aus Gründen der Mode, sondern aus Gründen der Notwendigkeit. Wie die tierschutzorientierte Einordnung des Ganzen aussieht, ist also noch ein, zwei philosophischer Gedanken wert.
Wir verabschiedeten uns also mit ein Träne im Knopfloch und unseren Dewotschki um den Hals und stiegen in die Maschine. Nach Novosibirsk – schon wieder.

2.3.08 Jakutsk-Nowosibirsk-Barnaul

Die Zweite Russlandtour

Nun hieß es also wieder Reise, Reise! und diesmal sollte es mit dem Flugzeug nach Nowosibirsk und von da aus mit dem Bus weiter nach Barnaul gehen.
Es war etwas schwierig, die Kollegen vom Flughafen von der Idee der Online-Flugbuchung zu überzeugen, zumal unsere Schalterfrau die lateinischen Buchstaben im Pass nur bedingt mit den kyrillischen der Buchung in Übereinstimmung bringen konnte. Hier zahlte sich wieder aus, dass Mirko immer einen Ausdruck der Onlinebuchung mithatte, der zwar kein Dokument oder irgendwie bindend, aber dafür aus Papier war und auf Papier kann man stempeln. Leute ohne Stempel sind halt suspekt. Also holt Mirko seinen Zettel/Computer¬ausdruck heraus und schon geht ein Lächeln über das Gesicht eines jeden überforderten Schalterbeamten, Stempel. So kamen wir dann noch zum Flugzeug, was gut war, denn abends sollte dann in Barnaul schon ein Konzert sein, was nur funktionieren konnte, weil wir sehr zeitig starteten und einige Zeitzonen gutmachen konnten. (Man glaubt nicht, wie weit östlich Jakutsk liegt). Es war nun also der Tag der Wahl (was uns schon in Jakutsk durch gefühlte 5 Millionen Plakate klar gemacht worden war) und wir landeten gegen Mittag in Nowosibirsk. Dort erwartete uns am Flughafen eine liebe Freundin. Tanja! Wer unseren letzten Reisebericht gelesen hat, weiß, dass Tanja der Diamant im Goldring unserer ersten Russland-Tour war. Wir mögen sie einfach sehr (und sie uns auch, glauben wir). Wir hatten zwar nicht viel Zeit, da sie uns nur vom Flughafen zum Busbahnhof brachte, aber es war einfach schön, sie wiederzusehen und wir wussten auch, dass wir sie später zu unserem Konzert in Nowosibirsk noch einmal treffen würden. Ein Freundin von ihr nahm einen Teil der Reisegruppe mit und der andere fuhr mit Anja, einer Taxifahrerin mit einem für Mirko schier unglaublichen Feature: Der um die Reisekasse besorgte Tourmanager bekam von Anja Quittungen von Taxifahrten, was zur Folge hatte, das Anja unsere feste Taxifahrerin (auch später) in Nowosibirsk wurde. Aber nun ging es erst einmal nach Barnaul und nach dem obligatorischen Billigzigarettchen und einem Instantkaffee verlud uns Tanja in den Reisebus, der uns nach vier Stunden Fahrt am etwas verwitterten Busbahnhof von Barnaul absetzte.

2.3.08 Barnaul

Die Zweite Russlandtour

So standen wir also auf einer verrosteten Reparaturrampe in Barnaul und hofften auf Marina, die uns abholen sollte. Wir warteten ein paar Minuten und dann rief Mirko Marina an, die uns ein wenig später aufsammelte. Wir fuhren mit unserem ganzen Gepäck erst einmal in den Club, um unseren Soundcheck zu erledigen, obwohl wir ganz schön ausgelaugt waren. Auf jeden Fall war der Club der größte in Barnaul (ca. 600.000 Einwohner) und recht imposant und das nicht nur durch den obligatorischen Panzer, der davor geparkt war. Der Club Charlie veranstaltete an diesem Abend den Tag der Musiker, was bedeutete, das es ein Festival mit 19 (in Worten: neunzehn) Bands geben sollte. Die Bands, die vor uns und nach uns checkten waren sehr gut, wir freundeten uns ein wenig mit dem Sänger und Geiger einer Band an und tranken wieder den obligatorischen Kaffee, der es immerhin schaffte, uns über einen einigermaßen gelungenen Soundcheck zu bringen. Wir beschlossen, bevor wir in völliger Apathie versunken wären, in unsere Unterkunft, das Haus der Künstlerin Ljuba, zu fahren und später zum Konzert zurückzukommen. Als wir bei der schönen alten Holzhütte ankamen, wartete schon ein größeres Empfangskomitee auf uns. Frank ging mit Ljubas Tochter erstmal Getränke kaufen und der Viererrest der Gruppe harrte der Dinge, die da kommen würde. Diese folgten auf dem Fuße und bestanden daraus, das wir ein russisches Kindergedicht in Szenen nachstellen sollten, welches in einer großen Barnauler Zeitung (marker) als eine Art Comic veröffentlicht werden sollte. Die Geschichte ging ungefähr so: Die Fliege (Ludwig) mit dem goldenen Bauch findet einen Samowar und läd alle Insektenkumpels (Andreas, Mirko) zu einer Feier ein. Doch dann kommt die Spinne (Holm) und greift die Fliege an. Alle Kumpels hauen ab, bis auf die kleine Mücke (Mirko). Die sticht die Spinne (Holm) tot und alle (Ludwig, Mirko, Andreas) tanzen um den toten Frontmann der Kapelle Solche herum. Das war nach sechzehn Stunden Fahrt echt anspruchsvoll. Holm nutzte seine 5 Minuten Todszene für ein kurzes Power-Napping, was aber nicht wirklich etwas brachte. Wir bezogen unsere Lager und während Holm sich in die REM-Phase (diesmal im Bett) begab, reinigten sich die anderen in der Banja der Künstlerin Ljuba, die immerhin Mitglied von Rotary Barnaul (Kreis 8000 nochwas) war. Dann ging es auch schon wieder in die Spur zu dem Club, in dem Solche ein kurzes Programm abgeben sollten. Der Club war wiederum sehr kommerziell und als Krönung dessen darf wohl betrachtet werden, dass man auf Pump (man bekam so eine Art Club-Kreditkarte) trinken konnte und erst beim Hinausgehen bezahlen musste. Unser Auftritt war auf 20 Uhr festgelegt worden, was aber schon bei unserer Ankunft auf 21 Uhr revidiert wurde. Bis dahin hatten wir Zeit das System des Festivals zu ergründen und zwar war es so, dass ein Besitzer oder Mitbesitzer des Clubs in seiner Karriere in vielen Bands gespielt hatte und diese alle an diesem Abend auftraten, es traten also nur geringfügige Änderungen bei den Musikern ein und sie spielten und spielten und spielten. Um zehn waren wir immer noch nicht dran. Auch halb elf nicht. Um elf waren auch bei uns schon die ersten Ermüdungserscheinungen zu bemerken, als ein Bekannter von Marina und Ljuba, Shenja, die Initiative ergreifen wollte. Er machte uns verständlich, dass er einfach auf die Bühne gehen würde nach der nächsten Band und uns ankündigen würde und wir dann ja spielen müssten. Nun, Shenja war ganz schön hinüber und so sagten wir erstmal ja. Aber unerwarteterweise sprang er tatsächlich auf die Bühne und machte wohl eine sehr schöne und nette Ansage (So etwas wie Meine Freunde aus Deutschland sind da und so) und wir gingen auf die Bühne, spielten fünf Lieder und noch eine Zugabe. Das was vom Publikum noch in der Lage war (der Mann, der am Bühnenrand vor uns saß, und plötzlich umfiel und dann schlief, gehörte sicher nicht dazu) fand uns ziemlich geil und es gab auch Offerten, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll. Auf jeden Fall hatten wir unser Konzert erfolgreich und lautstark gefeiert absolviert und waren froh, dann irgendwann zu Ljuba zu kommen und noch ein wenig Schlaf zu erhaschen, denn der nächste Tag sollte richtig anstrengend werden.

3.3.08 Barnaul

Die Zweite Russlandtour

Am Morgen, nach einem kurzen Frühstück fuhren wir erst einmal zum Bürgermeister von Barnaul. Der hatte schlimmere Augenränder als Holm, den am Vortag war ja die Wahl gewesen und so ist da wohl die ganze Nacht über ausgezählt wurden. Er sprach zu uns ein wenig über die Kultur- und Jugendpolitik der Stadt Barnaul und über den zufriedenstellenden Ausgang der Wahl. Dann ging es mit dem Stadtverantwortlichen für Jugendfragen zum einem Meeting mit Mitgliedern des Jugendparlaments, die verschiedene Spendenaktionen und Subbotniks vorstellten, im Großen und Ganz recht brav wirkten: „Es gab noch nie Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadtparlament und Jugendparlament.“ Die anwesenden Jugendlichen waren allesamt ganz schön Kader und als der Vertreter des Stadtparlaments stolz verkündete, dass in einigen Studentenwohnheimen die Wahlbeteiligung 100% betrug, musste Mirko kurz lachen, was die Situation etwas steif machte. Nichtsdestotrotz brachten wir diesen Termin hinter uns und fuhren zum Medizinischen Zentrum Uniks, in dem Jugendliche zum Thema Geschlechtskrankheiten beraten und auch behandelt wurden. Dieses Zentrum wurde von einer Ärztin geleitet, die uns durch den Komplex führte und alles erklärte. Die Daten waren da auf Karteikarten ‚gespeichert‘, aber nicht wegen der Datensicherheit, sondern weil einfach das Geld für Computer noch nicht da war. Wir schauten uns einige Behandlungsräume für Geschlechtskrankheiten an und hörten einen Vortrag über die Zahl der Behandelten, die Verfahren zur Anonymen Beratung und so weiter. Das war interessant und an dieser Stelle muss auch noch einmal ein kräftiges Dankeschön an unseren Übersetzer ausgesprochen werden, der manchmal ganz schön ins Rudern kam („mit Geschlechtsfehlern behaftete Organe“) aber sich für ganz schön ins Zeug legte, z.B. als er in Sekundenschnelle Sekundenkleber besorgte. So konnte vor Ort das Solche-Headset mit Hilfe Ludwigs all-you-want-survival-werkzeug-und-medikamententasche eine Notoperation vorgenommen werden.
Mittags waren wir noch in der Uni-Mensa essen und hatten noch einen Termin bei einer Probe einer Barnauler Band. Dort fand ein einmaliges Ereignis der bisheigen Solche-Geschichte statt. Die hatten ein Schlagzeug, was sie uns für den Abend im Deutsch-Russischen Haus auch zur Verfügung gestellt hätten, aber Andreas lehnte das nach einem kurzen Probespiel ab. Das war wirklich ein nur vom guten Willen und einer Menge Draht und Gaffa zusammengehaltenes Stück Underground, welches zwar irgendwie cool, aber für musikalische Benutzung relativ ungeeignet war.
Dann fuhren wir auch schon zum deutsch-russischen Haus, wo unser Konzert stattfinden sollte. Dort angekommen, sahen wir unserer Vorband beim proben zu und fanden, dass sie sehr schöne Musik machten. Die Band bestand aus Sängerin, Keyboard, Akkordeon und Gitarre und vertonten deutsche Gedichte z.B. von Rilke (jaja, der Panther). Da die Gedichte aber richtig gesungen wurden, entdeckte man die Lyrik ganz anders, da es auf einmal richtige Songs wurden. Die Band hieß Beauty Sleep und waren auch so sehr nette Zeitgenossen. Als sie fertig waren, checkten wir und dann kam Shenja, den wir am Abend vorher kennengelernt hatten. Er brachte ungefähr dreißig Rhythmusinstrumente mit von den die meisten richtig groß waren. Unter anderem eine Riesenpauke und eine Holzbank, die einen mörderischen Lärm machte. Er fragte uns, ob wir dann noch jammen wollten und wir harrten der Dinge die da kommen würden. Bald füllte sich das deutsch-russische Haus und bald stellte sich heraus, dass dieses viel zu klein war. Eine Menge Leute musste draußen bleiben. Dafür war Shenja gekommen, ein Mädchen, dass unsere Lieder mit ins Russische übersetzt hatte (ehrenamtlich) und unsere Musik sehr mochte. Leider ging sie dann irgendwann aus Chemnitz zurück nach Barnaul und es war ein toller Zufall, dass wir nun in Barnaul spielen sollten. Sie machte gleich eine tolle Einführung für uns und überhaubt war es schön, sie mal wiederzutreffen. Welt-Dorf-Dings. Das Konzert der Vorband war echt toll und auch unser Konzert verlief mehr als zufrieden stellend. Am sehr rhythmischen Anfang von „die anderen“ baten wir den Trommel-Shenja auf die Bühne, er enterte mit fünf Freunden die Bühne, die den größten Teil der Rhythmusinstrumente an die Zuhörer verteilte und dann gab es eine gewaltige Percussion-Sitzung, die wieder einmal gezeigt, dass auch ungeplante Dinge extrem schön sein können. Wir brachten danach zu zweit das Konzert noch gut über die Bühne.
Durchgeschwitzt und glücklich ernteten wir viel Lob nach dem Konzert und erhielten auch Einladungen nach Barnaul, um uns irgendwann einmal das Altai-Gebirge in Ruhe anzuschauen, denn Barnaul ist die Hauptstadt der Altai-Region. Im Deutsch-Russischen Haus zeigte sich wieder einmal, das es nicht Alkohol oder andere Stimulanzien braucht, um ein ausgezeichnetes Konzerterlebnis zu haben (da gab es gar nichts zu trinken). Da wir etwas, wie Frank sagen würde, unterbiert waren, gingen wir danach ins Rock Café, wo wir auch unsere Mitreisenden trafen, die sich kurzfristig mit einem Parlamentsangehörigen zum Hallenfußball verabredet hatten.Sie waren dann auch recht still und erschöpft. Wir waren dagegen fußballtechnisch hochmotiviert und ließen uns auf ein Kickerspiel gegen den Chef des Etablissements hinreißen, der uns (1 gegen 2) ganz schön alt aussehen ließ. Er war ein echter Profi und so lautete der Endstand Solche:Barnaul 3:10. Wir verewigten uns noch an der Wand (nicht wie Crematory mit Pinsel an der Bar) und ließen den Abend entspannt ausklingen. Ein sehr schöner Tag und wir hofften auf einen etwas entspannteren nächsten Tag. Doch die Hoffnung sollte enttäuscht werden. Wir schliefen tief und fest in unserer letzten Nacht in Ljubas Haus (was leider keine Dusche hatte, sondern nur einen Wasserhahn in der Küche).

4.3.08 Barnaul

Die Zweite Russlandtour

Am nächsten Morgen fuhren Andreas und Holm zu Marinas Wohnung, die in einem Neubau-Platten-Gebiet lag, aber eine Dusche besaß. So kamen wir frisch geduscht und gesäubert bei den anderen im Altapress-Gebäude an, eine Art Pressezentrum, in dem eine Menge Mediensachen gemacht werden. Dort trafen wir auf Junge Redakteure und sahen uns die Vervielfältigungsstrecke an. Außerdem besichtigten wir den großen Pressekonferenzraum, wo wir spontan eine dringende Pressekonferenz zu unserer Tour simulierten. Witzig war, dass an den Wänden besondere Pressefotos ausgestellt waren, darunter eines von einem Fußballfan, der mit rotem Kopf von vier Polizisten nur schwer gehalten werden konnte. Der Fan war der Chef des Rock Café, mit dem wir am Abend vorher gekickert hatten. Dann nahmen wir noch an der Mitarbeiterspeisung teil und dann trennten sich die Wege, weil Holm noch ein wenig mit der Chemnitz-Shenja durch Barnaul schlendern wollte und die anderen nahmen an einer organisierten Stadtrundfahrt mit besonderer Berücksichtigung der Dostoprimeltschatelnosti der Sowjet-Periode teil. Dort war eines der Highlights eine Schusterei, durch deren unwahrscheinlich kleine Tür die Schuhe hineingegeben wurden, dann warteten die Leute draußen, bis die Schuhe fertig waren. Die Gruppe sammelte sich dann am abend in einer wahnsinnig teuren Kneipe im italienischen Stil, wo die Zeit bis zum Abend noch herumgebracht wurde, bis dann Frank und Holm zu Ljubas Haus fuhren, um das Gepäck abzuholen und gegen 23 Uhr am Bahnhof mit den anderen zusammenkamen, um den Nachtzug nach Omsk zu besteigen. Nach einer schönen und langen Verabschiedung ging es dann also zur Derschonnaja, so etwas wie das Waggonmütterchen, die uns willkommen hieß und die übliche Passkontrolle veranstaltete. Dann ging es los und es wurden noch ein paar Bierchen ausgepackt und noch ein wenig die vergangenen Tage ausgewertet. Dann ging es aber auch schnell in die Kojen, da der nächsten Tag in Omsk schon wieder ein durchaus anspruchsvolles Programm bot.

5.3.08 Barnaul-Omsk

Die Zweite Russlandtour

Viel haben wir von der Fahrt nicht mitbekommen, da wir bis zum Frühstück recht fest schliefen. Als wir erwachten fuhren wir gerade durch Tatarskaja, welches nicht nur durch seine wunderschöne Lok zu begeistern wusste, sondern natürlich auh durch seinen Namen, da wir ja, zumindest optisch, einen Tataren in der Reisegruppe hatten. Das Frühstück mundete uns sehr und wir waren dann auch schon fast in Omsk, so dass wir noch schnell unser Bettzeug abzogen und es in den großen Wäschebeutel der Waggonbegleiterin warfen. Wir verließen unseren Zug in Omsk und er setzte seine Fahrt bis nach Moskau fort. Wir waren aber in Omsk angekommen und wurden am Bahnsteig von Magdalena begrüßt. Magdalena Kraft ist auch vom DAAD und sollte uns die gesamte Zeit in Omsk betreuen und begleiten. Das war echt ein Glücksfall, da sie sich sowohl vor unserer Ankunft als auch währenddessen rührend um uns kümmerte.

5.3.08 Omsk

Die Zweite Russlandtour

Zuerst fuhren wir mal mit zwei Taxi (Shiguli, Ehrensache) zu unserer Unterkunft bei der Caritas. Die Fahrt war, zumindest für Frank und Ludwig ziemlich haarig, da ihr Fahrer fast einen Zusammenstoß mit einer Marschrutka (Kleinbusse, die preiswert einen Teil des ÖPNVs übernehmen), so dass sie an der Caritas aus dem Auto fielen und die Erde küssten. Ganz so war es zwar nicht, aber froh waren die beiden schon. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer wohl früher mal ein größeres Problem mit Alkohol hatte und jetzt mit Amplituden von bis zu zwanzig cm zitterte. Nun, wir waren jedenfalls alle da und checkten in der Caritas ein. Die Übernachtungsmöglichkeit war echt gut, es gab saubere Duschen und eine Gemeinschaftsküche, in der eine Bierdose, die für den Fernseher als terrestrische Antenne umgebaut worden war, für den Empfang sorgte. Macgiver, der ja fast mal Chemnitzer geworden wäre, hätte seine helle Freude daran gehabt. Wir hatten auf der Anfahrt schon den Club gesichtet, in dem wir am Abend spielen sollten. Der hieß Partypiano, musste aber erst einmal auf uns warten, da wir in die Universität fuhren, wo Holm seinen Kafka-Vortrag zum Besten geben sollte. Das klappte soweit auch ganz gut und als Michael Wallraf am Schluss eine kleine Kontrolle machte, war es faszinierenderweise so, dass Holm die meisten Fragen in seinem Vortrag erwähnt hatte, obwohl es keine Absprache gab. Kafka ist eben doch ganz einfach zu verstehen. Natürlich bauten die Solchen auch noch eine kleine Live-Performance in den Vortrag ein, so dass das alles recht locker ablief. Die Studenten applaudierten und es lief an und für sich recht gut. Seltsam war nur der Beginn – Wer von Ihnen kennt Kafka? Keiner meldet sich. Wer von Ihnen kennt Kafka nicht? Keiner meldet sich. Magdalena steht auf und sagt: Sie hatten doch bereits Kafka im Studium? Alle nicken. – Aber davon ließen wir uns nicht verwirren und brachten einige Fakten an den Start und öffneten die Augen auch hier für diverse Interpretationsansätze, die gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Danach ging es zusammen mit Micha (der mittlerweile lange Haare hatte) im Bus zurück in die Caritas, wo wir unter den wachsamen Augen des Heilands ein wenig dem Powernapping fröhnten. Dann ging es auch schon zum Club PartyPiano, wo wir den Abend musikalisch mitgestalten sollten. Neben uns sollten noch zwei Bands spielen, eine Punkband und eine Skapunkband. Den Event selbst hatte ein gewisser Micha (Code Micha II) organisiert und es lief alles perfekt. Das Konzert sollte zwar schon um 19 Uhr losgehen, aber wir haben es durchaus geschafft, alles rechtzeitig anzustöpseln. Faszinierenderweise waren auch zu dieser Zeit schon ein Menge Leute da, so dass das Konzert der ersten Band schon sehr gut abgefeiert wurde. Wir saßen da und aßen etwas und kamen mit Christina ins Gespräch, die als Journalistin in Omsk unterwegs ist und zum Beispiel auch für die Sächsische Zeitung schreibt. Sie wollte uns die nächsten Tage begleiten, denn es war so geplant, das wir für drei Tage in Omsk bleiben würden, die Konzerte außerhalb zwar spielen, aber die Übernachtung in Omsk stattfinden würde. Die zweite Bnd begann irgendwann und der Club war mittlereweile richtig voll, die Stimmung war gut und die Bläser machten gehörig Dampf und die Gitarren. Die Lieder waren extrem tanzbar und das fand Publikum wohl auch, so dass am Ende des Sets alle (inkl. den deutschen Akustikrockern) tanzten. Uns war ganz schön mulmig, was das Publikum wohl sagen würde, wenn wir jetzt gleich die Bühne entern würden. Aber alles war unbegründet, wir starteten langsam, beschleunigten und beim dritten Lied war der Mob am Kochen. Wir feierten mit den Jungs und vor allem den Mädchen eine Riesensause, alles schrie und sprang und sang. Wir auf Kopfhöhe (mein Stuhl war etwas niedrig) mittendrin. Es ist ein unglaublicher Anblick, wenn der „Supergaul“ durch den Raum galoppiert und alle im Rhythmus auf und nieder springen. Verrückt. Das wollen wir wieder. Wir verkauften eine Menge unserer Live-CDs und mussten viele, viele Autgramme geben. Das war richtig Rockstar-Scheiß. Extrem cool. Sogar Ludwig und Frank wurden Zielscheibe des Interesses, während Mirko mal wieder die Gelegenheit nutzte, richtig ausgiebig mit Micha zu quatschen und sich dabei ein Fläschchen Rotwein zu Gemüte zu führen. Irgendwann packten wir dann unser Musik-Gepäck zusammen und gingen zu Fuß zur Caritas, was nur ungefähr 400 m waren. Günstig. Trotzdem gelang es uns, auf dieser kurzen Strecke eine Menge Kleinteile vom Schlagzeugständer zu verlieren, von denen wir aber wenigstens einige am übernächsten Tag wieder finden konnten.

6.3.08 Omsk-Tara

Die Zweite Russlandtour

Am nächsten Tag holte uns Dimitri, der von allen Dima genannt wurde, ab, er war unser Fahrer und von der GTZ gestellt. Die Fahrt sollte nach Tara gehen, einer Kleinstadt ca. 350 km nördlich von Omsk, die wohl für russische Verhältnisse relativ alt war (rund 400 Jahre) und einstmals ein berühmter Umschlagspunkt für Pelze und ähnliches war, nur dass die Industrialisierung an der Transsibirischen Eisenbahn entlang einen Bogen um Tara machte, so dass die Einwohnerzahl relativ gering blieb, was vor einigen hundert Jahren noch relativ viel bedeutete. Wir fuhren durch die weiße Weite Russlands, durch die brachialen Schlaglöcher wach gehalten und sahen seltsame Mühlen und verwaiste Kolchosen. Sehr schade war, dass unsere Gäste Frank und Ludwig nicht mitfahren konnten, da das Auto nur für acht Personen zugelassen war. Aber wir hatten versprochen, besonders Ludwig viele Bilder von Holzhäusern mitzubringen, an deren Architektur er sehr interessiert war. Nach vier Stunden Fahrt waren wir dann an der Pädagogischen Universität in Tara angekommen und wurde erst einmal in die Mensa zum Mittagessen geführt. Dort gab es Borschtsch, bei dem statt der Sahne Mayonnaise verwandt wurde. Das schmeckt besser, als es klingt. Dann gingen wir in einen Hörsaal, in dem fünfizig Studenten saßen und es gab so etwas wie eine Fragerunde/Pressekonferenz, in der musikalische Fragen, aber auch Persönliches auf dem Programm stand. Auf die Frage nach Kindern musste Holm etwas rudern und seine 2 Minuten Ausführung (Ich wohne mit einem Kind zusammen, was zwar nicht meins ist, aber dem ich sage, dass es seine Hausschuhe anziehen soll) wurde mit lautem Gelächter quittiert. Danach stand ein Stadtrundfahrt auf dem Programm und wir liefen ein wenig durch die Stadt, sahen uns Kirchen und das Schauspielhaus an, sahen viele Holzhäuser, von denen einige älter als 150 Jahre waren. Eine interessante Episode ist zum Beispiel, das ein reicher Kaufmann sein großes Haus der Stadt vermachte unter der Auflage, dass dort immer medizinische Nutzung gegeben sein muss. Während der Sowjetzeit war dort die Polyklinik gewesen und jetzt ist da ein Heim für Schwesternschülerinnen. Christina machte fleißig Bilder von uns und auf unserer Homepage kann man viele der wirklich gelungenen Schnappschüsse betrachten, auch aus dem PartyPiano und den andern Omsker Stationen. Ziemlich ernst wurden wir, als wir das Denkmal des Sieges über den Faschismus sahen, dahinter war eine Mauer von ca. 3 m Höhe und 40 m Breite, auf der in kleiner Schrift 5000 Namen notiert waren. 5000 Namen für 5000 Menschen, die von den 10000 Soldaten aus der Region Tara nicht aus dem 2. Weltkrieg heimgekommen sind. Wir gingen dann weiter und sahen noch eine Galerie mit Künstlern der Stadt, deren Bilder durchaus Klasse hatten. Dann ging es weiter ins Heimatmuseum, wo wir von vier Damen in tarischer Tracht begrüßt wurden, die uns, unterstützt von einem Akkordeonspieler, ein Ständchen brachten (Dorogie Drusja – Liebe Freunde) und uns sogar an den Händen nahmen und mit uns ein Tänzchen aufs Parkett legten. Dann wurden wir durch das Museum und den Volkskunst-Shop geführt, wobei im Museum besonders auffiel, dass es für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen einzeln eingerichtete Zimmer gab. Für die Deutschen, für die Tataren (unser Foto von Christina im Tatarischen Wohnzimmer wurde später auch in der Sächsischen Zeitung abgedruckt) und für Esten, weil von denen, durch verschiedene Umsiedlungsprogramme, wohl eine ganze Menge in Tara lebte.
Dann schauten wir noch einmal kurz in das Naturkundemuseum und betrachteten fünf Minuten den neuen Bären und fünf Minuten den alten Bären, aber dann mussten wir auch schon weiter zum Kulturhaus der Stadt Tara, wo unser Auftritt pünktlich um 19 Uhr beginnen sollte. Hier waren wir von der Größe des Raumes überrascht. Es gab 600 Sitzplätze und eine Riesenbühne, auf der schon das Grundgerüst des Schlagzeugs stand. Als Andreas seinen Ständer aufbauen wollte, bemerkte er erst das Fehlen der schon erwähnten Kleinteile. Nun, es fand sich für alles eine Lösung und auch Holm Soundprobleme wurden durch ein Ersatz-Headset gelöst. Es gab sogar eine eigene Licht-Regisseurin, die uns ausleuchtete und einen Licht-Check machte. Sehr, sehr schön. Dann zogen wir uns in den großzügig dimensionierten Backstage zurück und ließen uns erst einmal in die Sessel fallen, als unsere Betreuerin in Tara schon hereinkam und uns auf die Bühne bat, da es schon kurz vor 19 Uhr sei. Da warf sich Magdalena für uns in den ausgeholten Arm mit der Peitsche (metaphorisch gesprochen) und schund noch eine Viertelstunde für uns raus. Die nutzten wir, um unsere Setlist zu schreiben und noch ein bisschen Konzentration zu tanken. Erst mussten wir noch warten an der Bühne, da wir noch angekündigt wurden. Als wir dann die Bühne betraten (von jeder Seite einer, wie es sich gehört) waren wir doppelt überrascht, einerseits davon, das der Saal ausverkauft schien, das andere war ein ohrenbetäubender Lärm, ein Johlen und Klatschen, ein Pfeifen und Jubeln. Wir gingen die zehn Meter zu unseren Instrumenten wie die Gladiatoren zum Wettstreit – Jo, die Todgeweihten grüßen Dich! Wir begannen sehr smooth und der Bühnensound war großartig. Die Lieder schienen so zu sein, wie sie sein sollten. Laut und schnell oder leise und emotional und das Publikum quittierte jede Regung mit Beifall und Klatschen. Dass in Russland die Rock-Konzerte normalerweise bestuhlt sind, tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, das Publikum und auch wir kamen in einen Rausch des Momentes, so dass bei der üblichen Aufforderung, dass die Leute sich doch erheben und nach vorn kommen könnten, die das auch zu Hunderten taten und das ehrwürdige Kulturhaus wohl das erste Mal eine richtige Rockpit erlebte. Nach dem Supergaul hatte ich das erste Mal das Problem in der Geschichte von Solche, dass ich das Schlagzeug nicht mehr hören konnte, weil die Menschen so laut waren. Unglaublich. Nach mehreren Zugaben und völlig entkräftet zogen wir uns unter dem stürmischen Applaus der Anwesenden zurück und mussten erst einmal zehn Minuten relaxen. Dann waren da schon Kamera-Teams und wir führten noch schnell ein paar Interviews, bevor wir raus in die Menge gingen und alle CDs, die wir mit hatten verkauften und ungefähr 5 Millionen (gefühlt) Autogramme geben mussten, Fotos machten, bis Angehörige der Polizei unseren neuen Freunden dezent den Ausgang wiesen. Wir bauten noch ab und begaben uns zum Abendessen in eine kleine Gastronomie, schließlich lag ja noch ein Weg von 4 Stunden zurück nach Omsk vor uns. Dort tranken wir noch ein wenig und aßen uns satt, aber dieser Tag, der sicher einer der schönsten der Tour war, war auch einer der kräftezehrendsten und da wir am nächsten Tag nach Asowo an eine Schule wollten und zwar mittags, wollten wir dann auch nur noch ins Bett. Christina verschaffte Holm noch ein echtes Highlight, denn sie hatte ihren I-Pod mit und setzte Holm die Kopfhörer auf und so fuhr Holm irgendwo am Irtysch in Sibirien durchs Schneetreiben, nach diesem atemberaubenden Konzert und hatte dazu „Hurt“ von Johnny Cash im Ohr. Was für ein Moment! In der Unterkunft trafen wir noch auf Frank und Ludwig, die sich in Omsk einen schönen Tag gemacht hatten und denen wir natürlich von der Eroberung der Waldsteppe berichteten. Dann gingen wir aber auch gleich schlafen.

7.3.08 Omsk-Asowo

Die Zweite Russlandtour

Am nächsten Tag verließen wir Omsk um die Mittagszeit in Richtung Westen, wo wir nach einer dreiviertel Stunde Fahrt Asowo erreichten. Diesmal waren auch Frank und Ludwig mit, will Mirko sich erkältet hatte und bei Micha bleiben wollte. Asowo (deutsch Blumenfeld) ist der Hauptort des deutschnationalen Rajons, also eines Bezirkes, in den früher alle Deutschstämmigen hingezogen ‚wurden‘. Waren das früher mal 60.000, so leben jetzt da noch 20.000 Menschen und alle Bemühung der Bundesregierung, dort eine wirtschaftliche Infrastruktur aufzubauen, scheiterten letztendlich am Wegzugswillen besonders der jungen Leute. So gibt es dort ein echt schönes Stadion und uns wurde gesagt, dass auch die Häuser schöner seien als anderswo. Es gibt auch eine deutschsprachige Zeitung, für die Christina auch arbeitet. Aber insgesamt muss man sagen, dass Asowo ein Hauptort ist, mit 2000 Einwohnern, aber mit einer Schule und an dieser Schule machten wir eine schöne Lesung unseres Lieder- und Kurzgeschichtenbuches „So Schicht“. Dazu hatte Galina netterweise ein paar Geschichten ins Russische übersetzt. Und so lasen wir immer eine russisch-übersetzte Geschichte, eine deutsche Geschichte und spielten das dazugehörige Lied. Den Schülern gefiel das (obwohl Freitag nach Mittag war) sehr gut und so mussten wir auch hier Autogramme geben und Fotos mit den Anwesenden machen. Alles in allem kam zwar nicht so richtig ein Konzertfeeling auf, was aber an der frühen Zeit, der Anwesenheitspflicht und dem Lesungscharakter anzukreiden ist. Auf jeden Fall war es eine interessante Erfahrung, die uns auf jeden Fall die Übersetzung von einigen Geschichten des Protagonisten Menzel brachte, die uns Galina liebenswürdigerweise zur Verfügung stellte. Dann fuhren wir zurück in die Unterkunft und wollten noch ein bisschen chillen, denn am Abend war geplant, dass wir mit der Omsk-Fraktion (Micha, Magdalena und Christina) noch etwas trinken gehen, bevor uns der Nachtzug nach Novosibirsk bringen würde. So waren wir am Nachmittag in unserer Unterkunft in der Caritas. Holm und Frank machten noch mal einen Groß-Einkauf, dann wurde gefuttert, was das Zeug hielt. Dann packten wir unsere Klamotten zusammen und machten noch ein Mannschaftsbild, wobei versucht wurde, auf alle Orte unserer Reise zu zeigen. Dann ging es los, obwohl wir gar nicht genau wussten, wohin, da alles voll besetzt war (was wiederum am internationalen Frauentag lag, der in Russland bedeutet, dass der Mann mit seiner Angebeteten, Angetrauten oder so fein um Essen gehen muss). Schließlich landeten wir in einem großen Einkaufspalast, in dessen riesigen Foyer Christina noch ein Interview mit uns führte. Das war nicht so schlecht, da wird unser Gepäck nicht mit hinein nehmen durfte und es neben den Security-Mann stellten, den von unserem recht imposanten Haufen fast verdeckt wurde. Dann gingen wir noch in ein SB-Restaurant in dem es zu einem recht hitzigen Streitgespräch zwischen Magdalena und Frank kam. Nun, da es nicht sehr nett und rhetorisch nicht sehr fair geführt wurde, möchte ich auf die Umstände nicht näher eingehen, außer, dass es philosophisch sehr interessant war, weil Frank für eine materialistische Weltsicht, ganz im Sinne von Marx – nur ohne Kommunismus – sprach und Magdalena den dialektischen Idealismus von Hegel ins Feld führte. Nun sagen wir es so: Es war kein schönes Spiel und wir können froh sein, dass bei all dem Gegrätsche und Gebolze keine bleibenden Schäden entstanden sind. Aber dann mussten wir auch schon zur Bahn und ließen uns von zwei Shigulis zum Bahnhof bringen, natürlich nicht, ohne vorher eine größere Verabschiedungsszene, die einem Hollywoodfilm alle Ehre gemacht hätte, durchzuspielen. Dann waren wir auch schon am Bahnhof und unsere Derschonnaja überprüfte unsere Pässe und zack – waren wir im Zug und bei der guten Tradition, bei ein paar Bierchen den Aufenthalt auszuwerten.

8.3.08 Omsk-Nowosibirsk

Die Zweite Russlandtour

Diesmal gab es sogar ein Fläschlein Wodka, welches aber zum Großteil unserem immer noch erkälteten Tourmanager Mirko zur Verfügung gestellt wurde, der sich auch schnell verzog. Holm und Frank erörterten noch diverse Einzelheiten der hitzigen Diskussion am Abend, aber dann war auch schon schlafen angesagt und der Woronesh-Express brachte uns sicher und wohlbehalten wortwörtlich über Nacht nach Nowosibirsk. Das Aufstehen war etwas stressig, da wir nicht so richtig in die Gänge kamen, was daran lag, das mittlerweile schon ein ganze Menge Programm in unseren Knochen steckte. Das riesige Reinigungsgerät, welche mit ca. 30 km/h und zehn cm Abstand am haltenden Zug vorbeiraste (dort wo auch der Austieg war) erwischte uns glücklicherweise nicht, so dass wir wohlbehalten auf dem Bahnsteig ankamen. Mittlerweile zum dritten Mal in Novosibirsk, sollten wir nun auch einen Auftritt spielen und liebe Freunde treffen, die wir von der ersten Tour noch kannten, so Martina Klement vom Generalkonsulat, Masha von der Uni und natürlich ‚unsere‘ Tanja.

8.3.08 Nowosibirsk

Die Zweite Russlandtour

Eigentlich sollten wir uns mit Masha treffen, aber die hatte etwas Verspätung, was aber kein Problem war, weil Mirko sowieso erstmal seine „Baikal-Amazone“ Anja anrufen musste (die Taxifahrerin mit den Quittungen). Anja und Masha trafen quasi zeitgleich ein und so wurde ein Plan gefasst, dass Mirko mit dem Gepäck vorfahren sollte und wir mit Masha ins Wohnheim nachkommen würden. Nach einer kleinen Reise mit der Nowosibirsker Metro, vorbei an diversen Trödelmärkte und Subbotniks kamen wir zu unserem Hotel, wo Mirko im Vorbau schon auf uns wartete. Die Erkältung war nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Ganz schön gruselig! Unser DAAD-Kontaktmann war auch schon vor Ort und hatte eine Freundin mitgebracht, die sofort ein Interview mit uns führte. Dann wollte wir noch ein wenig proben (was ja durch die Cajon/Gitarre-Variante durch aus ging) und die Dame tanzte gleich ein wenig zu Solche-Musik durch das Hotelzimmer.
Das ließ sich doch gut an und wir waren extrem gespannt auf den Abend im Club Truba, wobei wir schon ein wenig Bammel hatten, da ja der 8.März war. Internationaler Frauentag. Nun, wir würden sehen. Dann ging es noch ein wenig in die Stadt, um ein Internetcafé zu finden, welches in einem Keller auch wenig später aufgetan wurde. Dort wurde ein wenig gesurft und dann hieß es auch schon wieder auf, auf! In den Club. Der Club Truba ist ein Kellerclub, der sehr oft Livemusik anbietet, aber eher Tanz- und Nebenbei-Musik. Im Club wartete schon Martina Klement auf uns und wir suchten noch die Becken für das Schlagzeug, die dann aber herbeitelefoniert wurden und wir technisch einen zwar selbst abgemischten, aber sehr guten Sound hatten. In einer Ecke war ein großer Tisch für Gäste reserviert, der auch schnell voll wurde. Wir redeten mit Martina und was so im letzten Jahr geschehen war, über die Tour und so weiter. Sie hatte, ganz stilecht, ein Solche-T-Shirt an, was ziemlich verrückt ist, wenn man als Band in Nowosibirsk spielt. Aber Martina ist halt ein Herz! Sie war sehr nett und natürlich Tanja, ach, es war ein bisschen wie zuhause sein. Schön. Langsam kamen auch normale Gäste ins Lokal, meist Pärchen, die Dame mit Blumen und der Herr schick gekleidet. Das würde sicher nicht leicht werden. Als der Club Truba dann recht gut gefüllt war, ging es los. Wir begannen ganz sanft und arbeiteten uns langsam in der Geschwindigkeit nach oben. Nachdem wir das Lied „Kamelien“ als Blumengruß für die Mädchen gespielt hatten, taute das Publikum langsam auf. Am Schluss gab es sogar noch eine Tanzrunde, die sich ganz schön verausgabte. Der Beifall und der Jubel war groß. Wahrscheinlich lag das sowieso nur daran, dass Tanja vor dem Konzert ein paar nette Worte über uns sagte. Das war ein Konzert, bei dem wir uns die Gunst des Publikums erarbeiten mussten, es aber auch schafften, was im Grunde zu unserem ersten Absturz während der Tour führte. Direkt vor der Bühne war ein Tisch, an dem drei russische Pärchen saßen und die waren am Schluss extrem begeistert. Wir wechselten ein paar Worte mit ihnen und sie sagten etwas vom besten Konzert aller Zeiten in diesem Club. Daraufhin wies Holm die Verantwortung von sich und zeigte als Beweis der schamanischen Hilfe die jakutskaja djewotschka, die die ganze Tour nach Jakutsk um den Hals von Holm baumelte. Da stellte sich heraus, das einer der Herren am Tisch aus Jakutsk kam und dies ließ nur einen logischen Schluss zu: Wodka! Nach dreien oder vieren davon wurde uns langsam schummrig und so ließ sich Holm sogar hinreißen, einen Tanz mit einer hinreißenden Russin zu vollführen, leider wurde daraufhin die Musik langsamer und kurz bevor Holm in die Verlegenheit eines barschen „Njet!“ kommen sollte, kam der Jakutsker Kumpel mit neuem Wodka, so dass der Tanz abgebrochen werden musste, was aber nicht unbedingt zu Stabilität des Frontmannes beitrug. Nun, wir redeten noch mit allen und es war ein schöner Abend. Dann räumten wir noch die Bühne auf und verließen das Etablissement. Ein kleiner Paukenschlag folgte noch am Ende, als Andreas eine vorbeischwebende Russin mit einem flüchtigen Kuss überrumpelte und deren Freund das irgendwie total uncool fand. Ludwig und Holm brachten sich und die Gitarre gleich zwischen den herumschreienden Herren und Andreas, der, so als wäre nichts gewesen, das Lokal verließ. Wir folgten ihm dann und wir machten uns auf ins das Studentenhotel/Wohnheim, da wir ja noch viel vorhatten. Am nächsten Tag sollte ja schließlich ein weiteres cooles Konzert stattfinden und zwar in Tomsk am Tom. Am Morgen erwachte Holm als ersten und wollte das Pelztier in seinem Mund bekämpfen, als er feststellte, dass kein Mineralwasser mehr da war, also zog er los, solches zu fangen, was irgendwann auch gelang. Die erste Flasche war schon auf dem Weg vom Kiosk zur Unterkunft alle, aber für die dankbaren Mitreisenden war auch noch genug da. Dann ging es noch mit etwas Haarwurzelschmerz zum Früh¬stück und dann ab zum Busbahnhof.

9.3.08 Nowosibirsk-Tomsk

Die Zweite Russlandtour

Die Reise nach Tomsk war ein extremes Dejavú-Erlebnis, denn wir fuhren am gleichen Busbahnhof wie 2007 ab, hatten wieder einen roten Ikarus-Reisebus, hielten wieder an der gleichen Raststätte (man beachte die Fotos) in der ich vor einem Jahr das Gesamtwerk von Nina Hagen auf MP3-CD erstand (war aber sehr liebevoll gemacht, waren sogar 200 Bilder von ihr mit drauf). Aßen die gleichen Speisen und kamen am selben schönen Platz in Tomsk an. Nur das dieses Mal Tanja nicht mit war, sondern Frank und Ludwig und der Manager nicht Lutz, sondern Mirko hieß. Aber das ging schon. Haha. Wir machten auch an exakter Stelle mit exakt den roten Bus ein Foto, welches bei den Presseauswertungen der letzten Tour oft benutzt wurde. Dieses ist auch schon zweimal veröffentlicht worden. Keine Ahnung, was die Presseleute so heiß auf das Foto macht. Vielleicht der Ikarus-Bus oder das Schild, auf dem in kyrillischen Buchstaben Tomsk steht. Wahrscheinlich, weil wir dahin auf dem Weg waren.

9.3.08 Tomsk

Und das Dejavú ging weiter, denn wir wohnten wieder im Hotel Sputnik, was wir ja beim ersten Mal schon sehr witzig fanden, da ja unsere Chemnitzer Freundesband LEGOSputnik heißt. Also sollten wir wieder neben dem Tom Tomsk Stadion schlafen, ein sehr kleines Stadion, dafür, dass die Mannschaft in de russischen Premier-League spielt. Irgendein Gasmagnat hat die Mannschaft gepusht und jetzt kommen immer nur ein paar Hanseln zum Spiel. Manchmal ist unter ihnen auch Stefan Karsch, der DAAD-Lektor von Tomsk, der uns auch schon das letzte Mal alles organisiert hatte und auch diesmal einen sehr netten und entspannten (das war langsam wirklich konstitutiv, weil unsere Konstitution langsam nachgab) Aufenthalt ermöglichte. Wir sollten (wieder) im Club Ajolita spielen, diesmal ohne Vorband und ohne Kwaß und vor allem ohne die Anwesenden vom DAAD-Treffen, was sich 2007 echt als Eisbrecher herausgestellt hatte. Aber wir waren noch im Hotel, dass sich uns etwas anders darstellte als ein Jahr vorher. Was z.B. erst einmal sehr schön war, war dass die Zimmer sich im 5. Stock sehr von denen im 7. Stock unterscheiden sie waren moderner und besser, doch ein Loch im Balkon war aber trotzdem vorhanden. Doch zum Ausruhen blieb nicht viel Zeit, wir buchten unser Frühstück des nächsten Tages auf ein Kaffeetrinken am Nachmittag um – Dejavú -(weil wir so früh starteten), so dass schon wieder Bier im Spiel war, welches aber von den Kaffee-Chemnitzern verschmäht wurde, was zum Teil auch eine Reminiszenz an den letzten Abend war. Dann holte Stefan uns (die Band und Mirko) im Hotel ab und lief mit uns durch die Stadt in der Frost und tauendes Eis eine gefährliche Mischung ergaben. So fiel Holm recht spektakulär, indem er sich im Fallen unter seine Gitarre warf, was seinem Hinterteil nicht sehr gut tat, aber das Equipment rettete. Dann waren wir auch schon am Club Ajolita, an dem sich in der Zwischenzeit viel getan hatte (das Café war zum Beispiel weg), aber dafür erinnerten sich die Verantwortlichen an uns und es gab ein ganz schönes Hallo. Die Ajolitas hatten sogar ein eigenes Riesenposter gemalt, neben dem Andreas ganz klein wirkt. Künstlerisch besonders wertvoll sind die Augen, wie man ja sehen kann. Der Soundcheck war superprofessionell und von ungemeiner Schnelligkeit, was letztendlich auch daran lag, dass wir den gleichen Techniker wie letztes Jahr hatten und der sich mit den Besonderheiten unseres Duos gut auskannte. Dann wurde im benachbarten SB-Schnellrestaurant noch etwas zu futtern gesucht und gefunden und gegessen. Dann ging es auch schon in den Club, der sich langsam füllte. Er war zwar nicht proppevoll, aber so an die 80 Leute waren schon zusammengekommen, um uns zu hören. Wir hatten ein relativ schnelles Programm zusammengestellt, was von den Leuten gut angenommen wurde, sie also aus den Sitzen trieb. Mit dem Tanzen war das etwas schwierig, durch die fest montierten Stuhlreihen, aber die Leute machten das Beste draus, was bedeutete, dass sie sich halt eher aufs Rufen und Klatschen konzentrierten.
Vielleicht waren die Leute auch hypnotisiert von der Geheimwaffe der Band, Holms pink/hell¬blau/weiß karierten Pullunder, der in dieser schönen Stimmung wahrhaftig nicht fehl am Platze war.
Wir spielten ein schönes Set und ließen uns vom wohlorganisierten „Weiter, weiter“ sogar breitschlagen, in der Zugabe das allseits beliebte Solche-Lied „Supergaul“ zum zweiten Mal an diesem Abend zum Besten zu geben. Leider fiel nach einigen Akkorden der Strom im ganzen Gebäude aus, so dass nicht einmal mehr die Exit-Schilder leuchteten. Es war wirklich, wie der Volksmund sagt, finster wie in einem Bärenarsch. Man sah die Hand vor Augen nicht, bis sich der Techniker erbarmte und von FOH aus mit der Taschenlampe leuchtete. Viele Zuschauer schalteten ihr Handy an, um uns etwas Licht zu geben. Doch ohne Anlage war kein Weiterkommen möglich, da Gitarre und Gesang mit einem Schlagzeug lautstärketechnisch etwas unausgewogen ist. Aber Andi hatte ja noch sein Cajon und weil der Abend so schön war und die Leute so nett und weil Sowjetmacht und die Elekrifizierung des ganzen Landes eben doch nicht Kommunismus bedeuten, spielten wir noch ein Liedchen im Dunkeln. Dann war das Konzert auch schon vorbei und als wir fertig (und natürlich wieder fertig) waren, hörten wir ein sehr vertrautes „Nu!“ aus der Menge, was daran lag, dass ein paar Dresdner Mädels sich unter das Publikum gemischt hatten. Das gab natürlich ein großes Hallo und so machten wir uns frohen Mutes, naja, eher Andreas frohen Mutes und Holm stand kurz vor den Einschlafen, in die nächste Kneipe, bzw. die erste Kneipe des Abends, um noch ein Bierchen zu fangen. Dabei nippelte Holm schon fast ab und es war ein bisschen schade für ihn, hatte er sich doch vorgenommen, ein wenig mit Stefan zu schnacken, nachdem das letztes Jahr schon ein wenig unter den Tisch gefallen war (samt Holm). Nun, vielleicht beim nächsten Mal. Denn es hieß, zurück ins Hotel Sputnik, wo wir unsere Nacht verbrachten und früh am Morgen, so gegen sechs, aufbrachen, um zum Busbahnhof zu kommen, wo unser Bus wartete, de uns nach Kemerowo, ins Herz des Kusbass bringen sollte. Nach einer recht undramatischen Verabschiedung (irgendwie hat man manchmal einfach das Gefühl, dass man wiederkommt) fuhren wir also weiter. Ein letzter Gruß nach Tomsk, wo sich ja immerhin schon einige deutsche Politiker hin verirrt haben. Wahrscheinlich wegen der Holzhäuser. Ludwig hatte auch ganz glasige Augen.
Tolle Bauwerke, tolle Stadt. Nächstes Mal zwei Tage.

10.3.08 Tomsk-Kemerowo

Die Busfahrt nach Kemerowo war sehr entspannt und wir fuhren in einem extrem liebevoll zugerichteten Reisebus. Da hatten sogar die Gepäckablage Gardinen. Aber da unser Großraumgepäck sowieso nie in die ca. 10 cm hohen Ablagen ging, musste alles auf einen Sitz gepackt werden. Später fiel uns dann Mirko auf, den wir wohl einfach mit eingestapelt hatten. Es gab noch eine Rast, auf der uns ein Russe anquatschte, ob wir das Horst-Wessel-Lied kennen würden. Naja, es ist einfach nicht möglich, alle lieb zu haben. Aber glücklicherweise war die Gesprächszeit mit unangenehmen Menschen sehr gering. Dafür betrachteten wir unsere Mitfahrer etwas genauer und stellten fest, dass einige Instrumente mit hatten, was uns uns zu der Annahme verleite, dass wir sie wohl wiedersehen würden. Wir wussten, das mit einer Band namens Periferia am Abend spielen würden und ahnten da etwas...

10.3.08 Kemerovo

Wir kamen also am Busbahnhof in Kemerowo an und trafen dort auf Walentina Schurygina, die uns die nächsten zwei Tage betreuen sollte, wir lernten auch Anna kennen und schätzen. Wir fuhren zusammen zum Hotel Tom am Tom (der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle bemerken, dass wir ja aus Tomsk am Tom kamen, also den Fluss aufwärts in den Kusbass gefahren sind) und checkten erst einmal ein. Das dauerte etwas, da unsere Registrierungen durchaus Lücken aufwiesen, was vor allem daran lag, das Registrierungen nur dort notwendig sind, wo der Aufenthalt länger als drei Tage ist. Dieses ist bei einer Tournee eigentlich niemals der Fall, was zur Folge hat, dass wir an manchen Stationen, z.B. wenn wir in einem Hotel schlafen die Registrierung hatten und dazwischen wieder für ein paar Tage nicht. Das sollte aber kein Problem sein: Theoretisch. Praktisch ist es aber so, dass das hochproblematisch ist und so mancher, der unsere Papiere fachmännisch beäugte, eine problemumwitterte Stirn feilbot. Doch glücklicherweise, hatten wir ja immer vor Ort tatkräftige Unterstützung, hier in Kemerowo von Walentina, die auf einer Bearbeitung in einem absehbaren Zeitraum bestand und tatsächlich hat das auch immer funktioniert. Wir warteten in einem sehr mondän eingerichteten Café im Hotel, dass zur geschmackvollen Einrichtung ordentliche Preise aufrief und vor allem durch eines in unserem Gedächtnis bleiben wird: Kälte. In dem Café herrschten ca. 10° Celsius, was den Aufenthalt nicht wirklich sehr bequem machte.
Dann bezogen wir unsere Zimmer und hatten auf unserem Gang sogar eine Dershonnaja (die gab es tatsächlich in jedem Stock, wahrscheinlich weil der Lift kaputt war), die Gangwächterin, bei der auch das Abgeben der Schlüssel und diverse kleine andere Dinge im Zuständigkeitsbereich lagen. Wir fanden die Zimmer in echt rustikalem 70er Jahre Charme vor, aber die Krönung waren die Boxen, die an der Wand hingen. Diese wurden mit Stromsteckern an das Boxennetz angeschlossen und so konnte man über wichtige Information im Bilde sein. Z. B. Feurwehralarm oder so. Wir erlebten das Ding leider nicht in Betrieb. Selbigen versagte auch die Tischlampe, als wir sie einsteckten, bis wir bemerkten, das die Steckdose für die Box gedacht war und nicht mit Strom versorgt wurde. Hochinteressant waren auch die Türen zu den Zimmern, denn unsere wies einen Spalt von ca. 2 cm auf, wenn sie abgeschlossen war. So macht Geheimdienstarbeit doch Spaß! Nein, wie gesagt, es waren recht schön Zimmer mit einem ganz eigenen Flair. Dann gingen wir noch einen Kaffee trinken um die Ecke. Und zwar ins Wienerwald. Haha. In Kemerowo. Sachen gibts.
Viel Zeit hatten wir nicht, denn dann ging es auch schon zum Ort des Auftritts, ein großer Kulturkomplex, in dem so etwas wie ein Rock in den März stattfinden sollte. Das Ganze hieß Martowni Rock und war mit insgesamt vier Bands geplant. Cait Sith aus Nowosibirsk, Periferia aus Tomsk (ja, das waren die aus unserem Bus), The stereotypui aus Kemerowo und Solche aus Germanii. Der Saal war ziemlich groß und die Veranstalter sprachen von 300 erwarteten Gästen. Wir legten gleich mit unserem Soundcheck los und waren auch relativ schnell damit durch. Der Technik war ganz schön krass unterwegs, denn er mischte die Gitarre so laut und bassig, dass wir für den Auftritt mit dem Besten rechnen konnten: Druck ohne Ende. Andreas spielte auf einem vorzüglich eingerichteten Yamaha-Schlagzeug, welches wirklich unseren Plan Vorschub zu leisten schien, dieses letzte Konzert zu etwas ganz Besonderen zu machen. An dieser Stelle soll auch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass wir 8 von 11 Konzerten mit einem Schlagzeug spielen konnten. Das erforderte oft einen relativ großen organisatorischen Aufwand und diese Leistung kann gar nicht oft positiv herausgestellt werden, zumal es sich ja bei den OrganisatorInnen meist um Menschen aus dem universitären Umfeld handelte, die sich mit Musikinstrumenten und Konzerttechnik nicht so gut auskennen. Auch Walentina hatte alles sehr gut organisiert, bzw. in die fachkundigen Hände der Konzertcrew vom Kulturhaus gelegt, mit denen wir uns auch gleich ein wenig anfreundeten. Großes Zitat: „In einem Monat kommt noch eine deutsche Band nach Kemerowo. Ins Stadion Minik. - Die Scorpions“. Dort sind die also unterwegs. Nun, wir hatten noch ein bisschen Zeit und tranken noch ein bisschen Kaffee, begutachteten den weiten Backstage-Bereich, der im Grunde aus dem gesamten Kellergeschoss bestand. Dort stand auch noch lustige Überreste der Dekoration herum, zum Beispiel Elefanten mit Schneeflöckchen drauf. Das passte auch zu unserer Anwesenheit in Kemerowo, da sie mit bis zu -15° die zweitkälteste Stadt unserer Reise war. Nun, bald war es soweit, der Saal füllte sich und auch hier ging es wie gewohnt relativ zeitig los. Den Start besorgten Cait Sith, die mit schwerem Gitarrenrock und epischen Posing sehr gelungen einstimmten. Dann wurde die Stimmung schon besser, als Periferia aus Tomsk auf die Bühne gingen und mit einer Mischung aus Southern Rock und Blues den Leuten gehörig einheizten. Wie wir später erfuhren, kamen die Jungs gar nicht aus Tomsk, sondern aus Sewersk, einer Stadt, die ein paar Kilometer nördlich von Tomsk liegt. Dort ist ein Zentrum der Kernkraftforschung und -erzeugung und die ganze Stadt wurde bis 1989 geheimgehalten und war nur unter dem Namen „Postfach Nr. 5“ bekannt. Da hatte die Stadt schon 100.000 Einwohner. Auf jeden Fall würde wahrscheinlich jede Rockband in Deutschland es ziemlich cool finden, aus einem Postfach zu kommen. Nicht so Periferia, die die größere und bekanntere Nachbarstadt Tomsk als ihren Herkunftsort angeben (Immerhin wurde Sewersk auch eine zeitlang als Tomsk-7 geführt).
Danach kam die dritte Band des Abends, die Lokalmatadore The stereotypui (sic). Auf die hatten wohl die meisten der Anwesenden gewartet und die Jungs brachten den Klub mit ihrem Arctic Monkeys Brit Rockpop fast zum Explodieren. Sie gaben alles und waren am Ende ihres Sets (und noch ein paar Zugaben) völlig durchgeschwitzt und glücklich. Das Publikum war richtig in Fahrt, als wir die Bühne enterten und so war gleich von Beginn an eine ausgezeichnete Stimmung, obwol wir es uns nicht nehmen ließen, sehr langsam zu beginnen und dann immer schneller zu werden. Bei Lieder wie Supergaul und auch Vor dem Gesetz brachen dann alle Dämme. Die Leute holten uns durch minutenlangen Applaus sogar nochmal aus dem Backstage zurück und weil wir so gut drauf waren, gab es gleich noch einmal den Supergaul zu Gehör. Der obligatorische Saitenriß mitten im Konzert wurde durch ein Neubertsches Schlagzeugsolo der Sonderklasse überspielt und überhaupt war das letzte eines unserer besten Konzerte der Tour, was nicht zuletzt daran lag, dass wir einfach alles an Power, was noch in uns war in die Performance steckten und Gas gegeben haben, so als würde es kein Morgen geben. Wir redeten noch ein wenig mit den anderen Bands (natürlich nicht, bevor wir nicht ein paar Fotos und Autogramme abgeliefert hatten). Wir machten noch ein paar Fotos, besonders ist hier zu erwähnen, das wir hier sogar Teile einer darkwavelastigen Jugendszene trafen, was besonders Mirko außerordentlich erfreute. Besonders schön war auch eine junge Dame, die stolz das sächsische Wappen auf ihrer Brust trug. Was auch immer das zu bedeuten hatte, wir nahmen es als gutes Omen, tranken noch ein wenig und dann ging es zurück ins Hotel. Dort legte sich Holm (der sich durchgeschwitzt bei -15° Grad das Nikotin ohne Jacke einpfiff, was am übernächsten Reisetag seinen Ausbruch in einer mittelschweren Erkältung haben sollte) aufs Ohr und die anderen gingen noch ein wenig in die Stadt, um mit neu gewonnenen Fans und Bekannten etwas trinken zu gehen. Zur Sicherheit wurde die Reisekasse bei Holm gelassen, der sich endlich mal wie ein richtiger Rockstar fühlen durfte. Fuffis im Club. Nur eben ohne im Club, sondern im Brustbeutel.
Holm legte sich also hin und brach sein Versprechen, noch einmal mit in die Spur zu gehen. Aber die rhythmischen 50% von Solche machten das wett und kamen in personam Andreas Neubert mitten in der Nacht wild smsend aufs Zimmer, da der Charme eines Kemerowoer Mädchen durchaus seine Spuren beim Herrn Doktor hinterlassen hatte. Hinterlassen schafft kurzen Schlaf und nach einem kurzen Frühstück in dem schönen kalten Café starteten mit Walentina zu einer außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit (dostoprimeltschatelnost) von Kemerowo, dem Bergmann mit dem brennenden Herzen.

11.3.08 Kemerovo

Dieses Kunstwerk sieht aus, als wäre es einem Rammstein-Video entsprungen und steht auf einer Anhöhe über der Stadt auf dem anderen Ufer des Tom. Dazu muss man wissen, dass das Alter der Städte in Russland etwas anders ist als in der westlichen Welt. So beging Kemerowo gerade recht stolz seinen 90sten Geburtstag, davor waren dort nur 7 Dörfer. Jetzt hat die Stadt ungefähr 600.000 Einwohner und liegt auch noch zum großen Teil auf dem westlichen Ufer des Tom. Das östliche Ufer wird vom Stadtwald dominiert, was optisch zur Folge hat, das man glaubt, die Stadt wäre an diesem bewaldeten Berg zu Ende. Aber das stimmt nicht. Aber auf diesem Berg steht nun der Bergmann mit dem brennenden Herzen, er hat ein Loch in der Brust, in dem ein Herz rot herausleuchtet. Wer nun denkt, dieses Denkmal ist aus sowjetischen Zeiten,der irrt, denn das Denkmal wurde 2003 aufgestellt und ist von einem amerikanischen Bildhauer entworfen. Von der dortigen Aussichtsplattform hat man einen wunderschönen Blick über die Stadt, die sehr viel Industrie in ihre Skyline integriert und einen seltsamen Kontrast bietet zu den vielen Eisfischern, die an ihrem Loch im Flusseis sitzen und angeln. Wir fuhren dann auch weiter, denn es war ganz schön kalt dort oben und außerdem hatten wir einen Termin bei KusbassFM, dem größten Radiosender der Stadt und Region, bei dem wir für eine Stunde ausgefragt werden sollten. Außerdem war für den Nachmittag noch geplant, zwei Vorträge an der Universität zu halten.
Doch zuerst zeigte uns Walentina noch ein wenig die Stadt, so zum Beispiel eine riesige Kathedrale, die auch ein Neubau war und in Ausmaßen und Ästhetik durchaus als beeindruckend zu beschreiben ist. Außerdem sahen wir den Zirkus und diverse andere Sachen, aber dann ging es zum Radio und dort trafen wir einen außergwöhnlich netten Moderator, der uns in einer sehr interessierten und durchdachten Weise interviewte. Selbst in Deutschland haben wir so etwas selten erlebt. Wir philosophierten um die Wette und der Abschluss brachte auch etwas Neues für uns. Auf die Aussage, so eine Tour sei wie ein Eisberg, wo man die Band auf der Bühne sieht, aber der Großteil der Mitwirkenden versteckt sei, stellte sich heraus, dass die Eisberg (Obwohl dieser im Russischen Ejsberg heißt)-Metapher in Russland unbekannt ist.So musste Walentina etwas länger erklären, aber der Moderator (den wir später auf einem Foto von unserem Konzert ziemlich abrockenderweise wiederentdeckten) war von dieser Metapher ziemlich begeistert, so dass wir vielleicht etwas mehr dagelassen haben, als nur die Erinnerung an ein paar schöne Momente. Dann gingen wir in die Universität, da wir ja später am Nachmittag noch unsere Vorträge halten sollten. Nach dem Mittagessen in der sehr kleinen, aber extrem gemütlichen Mensa (Dafür gibt es wohl mehrere im Gebäude) hatten wir aber noch etwas Zeit und so gingen wir in den benachbarten Stadtpark, um uns die dort ausgestellten Kriegsgeräte anzuschauen. Wir machten viele lustige Bilder, zum Beispiel eines mit dem Titel „Haare fönen im Raketenantrieb“. Ansonsten wurden diverse Mörser, Kanonen und Schützenpanzerwagen als Kulisse für Urlaubsgrüße aus dem Kusbass benutzt. Man glaubt nicht, wie sehr der Große Vaterländische Krieg noch im kulturellen Gedächtnis verankert ist. Sogar eine MIG war im Stadtpark aufgebaut. Es gab aber auch einen Spielplatz und eine Art Theatron zwischen den Waffen. Nun ja, so ist das halt. Aber dann mussten wir auch schon zurück in die Universität, da ja dort gleich unsere Vorträge starten sollten. Nachdem etwas 25 Zuhörer da waren, war der Raum auch schon voll und Holm begann mit seinem Vortrag: „Das Amerika-Bild in deutschen Hiphop-Texten“. Er hatte gerade einen Artikel dazu veröffentlicht, aber der cultural studies Gedanke war wohl in Kemerowo eher unbekannt, denn die Anwesenden waren sich nicht so sicher, ob es gut sei, ein Lied, in dem unflätige Ausdrücke vorkommen als Gegenstand der Wissenschaft zu betrachten. So wirkte das zumindest. Aber dann kam der Profi-Pädagoge und riß das Ruder herum. Andreas sprach über das (duale) deutsche System der Berufsbildung, welches ein Thema ist, in dem er sich außerordentlich gu und routiniert bewegt,, was auch zu einer recht lebhaften (für russische Verhältnisse) Diskusion führte. Der Applaus am Schluss ließ uns vermuten, dass es den Anwesenden recht gut gefallen hatte und so hakten wir den letzten offiziellen Programmpunkt unserer Russlandtour als durchaus gelungen ab.
Dann ging es wieder zurück ins Gostinitza Tom am Tom und dort beschlossen Ludwig, Frank und Andreas, dass sie unbedingt noch einmal in die Bnja gehen wollten, was sie dann auch taten. Dort verprügelten sie sich gegenseitig mit Birkenzweigen und Holm und Mirko verbrachten währenddessen die Zeit im Hotel. Mirko hatte jemand kennengelernt, der sich für die alternative deutsche Musikszene interessierte. Als er ein experimentelles elektronisches Stück vorspielte, zu dem ein noch kryptischerer Text von Heiner Müller rezitiert wurde, fragte Holm ob der Situation verwundert, da die junge Dame kein Deutsch sprach: Glaubst du, dass sie das als Russin versteht? Worauf Mirko lapidar antwortete: Die meisten Deutschen verstehen das auch nicht. Logisch. Holm ging noch Dusche und das war wirklich ein Erlebnis, da erstens ein ungeheurer organisatorische Aufwand betrieben wurde, bis man endlich im Keller duschen durfte. 10 Rubel (30 Cent) an der Rezeption bezahlen, mit dem Kassenzettel zur Gangwächterin, die führte einen dann in den Keller und man durfte sich aus drei Duschen eine aussuchen, was aber nichts brachte, da alle Duschen in einem dermaßen desolaten und verkeimten Zustand befanden, dass man sich durchaus etwas von der Bezichnung Hotel veralbert vorkam. Später abends traf sich dann die Reisegruppe noch auf ein Tagesabschlussgetränk und es wurden verschiedene Eindrücke ausgewertet. Zum Beispiel das schöne Stadtzentrum von Kemerowo, dessen Architektur-Einflüsse von den deutschen Kriegsgefangenen stammen, die es mit erbaut haben. Oder die absolute Ausrichtung der ganzen Region auf den Steinkohleabbau, so als ob es kein Morgen gäbe, die Solidarität der Bevölkerung mit den Kumpels und deren Familien, wenn es wieder einmal ein Grubenunglück gegeben hatte. Walentina und Anna hatten uns viel Neues und Interessantes, Ungewöhnliches und Normales gezeigt und erklärt. Dann war auch schon Schlafen angesagt, denn am nächsten Tag sollte es früh rausgehen und die Reise sollte bis nach Hause führen und 20 Stunden dauern.

12.3.08 Heimflug Kemerowo-Moskau-Düsseldorf-Dresden

Es ging gleich früh am Morgen los und zum Flughafen von Kemerowo, der zwar etwas kleiner war, aber dafür ziemlich in der Stadt. Wir waren mittlerweile ganz schön hinüber und so liefen wir (nachdem die Reisetaschen in Folie verpackt und Zigaretten gekauft waren) recht zombiemäßig zur Maschine, um nach Moskau zu fliegen. Der Flug war recht ruhig und das Frühstück auch nicht schlecht. So landeten wir in Moskau (öftermal nach Domodedowo) und vertrieben uns dort die paar Stunden bis zum Weiterflug mit der Air Berlin nach Düsseldorf. Hier möchten wir besonders auf den Steward Herrn Pilz hinweisen, der mit seinen humoristischen Ansagen (und Bonbon-Bestechungen) unseren Flug recht kurzweilig gestaltete. Von Düsseldorf nach Dresden war es dann ein paar Kilometer vor Dresden doch noch extrem rumpelig, da das Sturmtief Kirsten gemeinsam mit uns Klotzsche erreichte. Mirko machte fachkundige Kommentare (Der muss schneller anfliegen, die Landebahn ist doch lang genug), Andreas lächelte und freute sich auf Zuhause und Holm wollte nicht 500 Meter vor Ende sterben. Die anderen (tm) nahmen das sehr gelassen und auch die mitreisenden Schlipsletten (schließlich ist die hundertsitzige Focker ein richtiger CEO-Bomber) ließen sich nichts anmerken. Schließlich kamen wir heil runter und auch zum Flughafen hinaus. Dort noch schnell ein Abschiedsbild, denn Solche mussten schnell zum Zug, der durch die Chauffeur-Hilfe von Franks Frau auch just in time erreicht wurde. So kammen wir nach Chemnitz zurück und endlich in unsere Betten.

Epilog

Die Herstellung dieses Berichts hat diesmal lange gedauert. Fast zwei Monate. Klar, der Text ist länger, es gab viel zu erinnern. Wir haben sogar schon einen Diavortrag über die Tournee gehalten, eine Tschechien-Tournee gemacht, neue Songs erarbeitet und außerdem noch ein wenig ans Geldverdienen gedacht. Und doch ist es immer wieder so, dass einzelne Erlebnisse ins Gedächtnis kommen, Gesichter, Namen und langsam auffällt, wie Lücken größer werden. Wie hieß das nette Mädchen, dass uns beim Übersetzen geholfen hat? Sicher hat dieser Bericht Lücken. Er erzählt die Geschichte der Band, allein über die Episoden der Reisegruppe hätte man noch ein weiteres Buch schreiben können. Doch wir hoffen, dass eines wenigstens durchscheint: Diese Tour gehört zum Schönsten und Beeindruckendsten, was wir als Musiker, aber auch als Menschen bisher erlebt haben. Und diesmal ist es mehr als eine Drohung: Wir kommen wieder.

Solche (Andreas Neubert, Holm Krieger)

Die Tour in Zahlen

7 Flüge mit insgesamt ca. 18000 Kilometern (Berlin-Moskau, Moskau-Nowosibirsk, Nowosibirsk-Jakutsk, Jakutsk-Nowosibirsk, Kemerowo-Moskau, Moskau-Düsseldorf, Düsseldorf-Dresden)
4 Zugreisen mit insgesamt ca. 2000 Kilometern (Chemnitz-Berlin, Barnaul-Omsk, Omsk-Nowosibirsk, Dresden-Chemnitz)
3 Busreisen mit insgesamt ca. 1200 Kilometern (Nowosibirsk-Barnaul, Nowosibirsk-Tomsk, Tomsk-Kemerowo)
ca. 50 Taxifahrten

11 ‚große‘ Konzerte, 3 kleinere Konzerte*, ca. 2100 Zuhörer
Moskau, Klub Zhest, 100 Zuhörer
*Jakutsk, Uni-Seminar, 20 Zuhörer
Jakutsk, Kulturzentrum Uni, 300 Zuhörer
*Jakutsk, Schule Chatassy, 100 Zuhörer
Jakutsk, Klub Drakon, 80 Zuhörer
Barnaul, Klub Chaplin, 150 Zuhörer
Barnaul, Deutsch-Russisches Haus, 120 Zuhörer
*Omsk, Uni-Seminar, 40 Zuhörer
Omsk, Klub PartyPiano, 100 Zuhörer
Tara, Kulturhaus, 600 Zuhörer
Asowo, Deutsches Gymnasium, 80 Zuhörer
Nowosibirsk, Klub Truba, 100 Zuhörer
Tomsk, Klub Ajolita, 80 Zuhörer
Kemerowo, Kulturhaus, 150 Zuhörer
4 Vorträge, 1 Lesung*, 160 Zuhörer
Jakutsk, „Kafka und der Humor“, 20 Studenten
Omsk, „Kafka und der Humor“, 40 Studenten
*Asowo, Lesung aus „So Schicht“, 80 Schüler
Kemerowo, „Amerika in Hiphoptexten“, 25 Studenten Kemerowo, „Das deutsche Berufsausbildungssystem“

Solche danken:

dem DAAD, der GTZ, der Robert-Bosch-Stiftung, dem Generalkonsulat der BRD in Nowosibirsk, kulturaktiv e.V. und vielen anderen Institutionen.

Doch alles war nur möglich durch Personen, die sich in aufopfernder Wiese um die Tour und ihr Gelingen bemüht haben. Dabei seien besonders Mikro Sennewald und Georgia Matthias, Ludwig Grau und Frank Hertel erwähnt, ohne die diese Reise nicht oder zumindest nicht so wunderbar gewesen wäre. Desweiteren möchten wir (im Text ist es ausführlicher, hier noch einmal zusammengefasst) danken:

Larissa, Ulrike, Wlad-Len, Ljuba, Elena, Marina, Shenja I, Shenja II, Michael, Magdalena, Christina, Dimitri, Martina, Tanja, Masha, Stefan, Walentina