Holm Krieger

Aus Solche
Version vom 5. Juni 2009, 09:39 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kindheit und Jugend

Holm Krieger wurde am 17.2.1975 in Kreiskrankenhaus in Mittweida geboren. Nach dem Kindergarten Goethehain besuchte er die POS Grünlichtenberg (später: POS "Hans Schiller) und wuchs in der ländlichen Idylle eines 300-Seelen-Dorfes ind einem 3-Generationen-Haus auf. Dabei waren vor allem Mathematik und Informatik als Hobby angesagt (natürlich außer Buden bauen im Wald und was man sonst noch so auf dem Lande tut). Auf Computern wie dem Z9001 oder dem KC85/3 wurde in BASIC, aber auch in Maschinencode programmiert und getüftelt, was das Zeug hielt. Als einziger in der Klasse schaffte es Holm die Matheolympiade erfolgreich abzuschließen und gewann sogar einmal beim Kreiswettstreit. So kam er zu den Kandidaten für die Mathe-Spezialklasse. Im September 1989 zog die Familie nach Karl-Marx-Stadt und zum Kulturschock Land-Stadt sollte isch bald noch ein weiterer gesellen. Ein neues Gesellschaftssystem.

Demokratie fetzt

1989 wurde viele runde Tische eingerichtet und Holm war dabei. Er organisierte mit anderen das Mitspracherecht der Schüler an der POS "Tschaikowski". Besonders haben sich zwei Lehrer um den Holm verdient gemacht, ersten Holger Schnärz, Physiklehrer und passionierter Gittarist und Andrea Weghenkel, die Holm erstmals konkret damit konfrontierte, dass Sprache durchaus kunstvoll gebraucht werden könnte. Aber schon nach einem Jahr hieß es Abschied nehmen, denn da gab es jetzt das Gymnasium, an das man schon vor der zehnten Klasse gehen musste. Die basisdemokratischen Zeiten waren mit dem Beitritt zur Bundesrepublik sowieso vorbei und es hieß zwar die EOS noch "Karl Marx", aber nicht mehr lange. Ersten Jobs als Reiniger der Fleischabteilung bei Edeka (sprich ein Jahr Vegetarier) und besonders in der Videothek in der Jakobstraße folgten erste künstlerische Ergüsse, die so gar nichts mit der scheinbar vorbestimmten Laufbahn als Mathematiker oder Informatiker zu tun hatten. Neben einem Buch mit hundert (durchaus schlechten) Gedichten über Chemnitz und der Gründung und Mitarbeit an der "Betonkonserve", einer satirischen, sehr subversiven Schülerzeitschrift (in der auch die ersten Gedichte und Kurzgeschichten von Holm erschienen) an der Schule die nach dem Interimsnamen "Realgymnasium" endgültig Georgius-Agricola-Gymnasium hieß, folgte die Schaffung des verkrampft klassischen Theaterstücks "Tiresias". Dieses widerlegte zumindest den Pumuckl - Nicht alles, was sich reimt, ist gut. Erste autodidaktische Schritte mit der Gitarre folgen und verschiedene Versuche mit Gedichten häufen sich. Holm wird Abschlussjahrgangsbester (Immerhin 7-strängig) in Mathematik und schreibt sich passenderweise für Angewandte Informatik an der HTW Mittweida ein.

Studium und Armee und Studium

Nach einem Semester wird er eingezogen und verbringt 3 Monate in Sonthofen und 9 Monate in Ingolstadt bei den (zum dritten Mal) Pionieren. Dort wird er Datenbeauftragter in der Pionierkaserne auf der Schanz, lernt von Hauptmann Neumüller, dass nicht alle Soldaten dumpf sein müssen, und bildet Soldaten in Word und CorelDraw aus. 1994 stirbt auch Kurt Kobain und Holm greift immer öfter zur Gitarre. Nach Ende der Dienstzeit und einigen Computerjobs in Pfaffenhofen und auf Gut Ising am Chiemsee kommt Holm nach Chemnitz zurück und beginnt hier das so genannte Chemnitzer Modell zu studieren, eine Verbindung zwischen Germanistik und Informatik. Schon nach einem stellt sich heraus, das dieses Studium aus organisatorischen Gründen unstudierbar ist und inhaltlich sehr wenig mit der kreativen, subversiven Informatik zu tun hatte, die Holm aus der Datenschleuder kannte. So entscheidet sich Holm, die mathematisch-informatische Laufbahn zu verlassen und schreibt sich für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Angewandte Sprachwissenschaft und Germanistik ein. Die Sprache wird zum Mittelpunkt des Studiums.

Kunst und Philosophie

Die AVL (wie die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft kurz genannt wird) wird Lieblingsrichtung nach einem Vortrag über "Kafka: Für eine kleine Literatur" von Gilles Deleuze und Felix Guattari. Das war ein absolut schwerer Text und Holm verstand auch nur die Hälfte, aber um ihn war es geschehen. Seitdem ist Franz Kafka der wichtigste Autor für Holm und die Wissenschaft, die sich mit "sowas" beschäftigt das Interessanteste auf der Welt. Als Hilfskraft am Lehrstuhl AVL konnte er bei seinem hoch verehrten Proff Günter Peters interessante Sachen lernen und auch künstlerisch ging es vorwärts. 1996 gab es die erste monographen Veröffentlichungen. Die ersten zwei waren im Rahmen des universitären Chaos-Magazins als Sonderausgaben. Der "Tiresias" wurde von niemandem (im wörtlichen Sinne) gekauft und das in maßloser Selbstüberschätzung an das Chemnitzer Theater geschickte Stück wurde von Hartwig Albiro mit einer (noch nett formulierten) Absage bedacht. Anders war das mit den unter dem Pseudonym Karl Steeg geschriebenen, sehr expressionistischen Gedichten und Kurzgeschichten. Diese waren recht direkt, z. B. das Gedicht "Ein bessere Welt" (Freut euch! Ich sage FICKEN/und streue euch Salz in eure blutigen Armstümpfe,/ die ihr mir hilfesuchend entgegenstreckt./Hättet ihr euch damals nicht die Hände abgeschlagen - ihr könntet Besseres bekommen!). Diese recht brachialen Ausbrüche wurde sowohl in gedruckter, als auch in gelesener (geschrieener) Form sehr gut vom Publikum angenommen. Der Besuch des Kurses "Kreatives Schreiben" wurde zu einer Farce, da dort eher die emotionalen Tiefschläge des Lebens verarbeitet wurden (Tagebuchlyrik). In Abgrenzung dazu gründeten Steffi Herold (Hilfskraft auf demselben Gang, Prof. Krohn), Claudia Ebersbach, Stephan Ullrich (Hilfskraft auf demselben Gang, Prof. Holly) und Holm das Autorenprojekt HRZNHRN, das nach vielen und langen Diskussionen und Lesungen schließlich das Buch HRZNHRN mit Texten der fünf AutorInnen (Karl Steeg hatte einen eigenen Beitrag geleistet) mündete. Um die Kollaboration deutlich zu machen, verzichteten die AutorInnen auf eine namentliche Zuordnung der einzelnen Texte, so daß nur auf der ersten Seite die Namen erwähnt wurde, aber die Texte quasi anonym blieben. Auch Jahre später gab das Studentenwerk der TU Chemnitz noch mit diesem Bändchen an.

Politik und Musik

Im Herbst 1996 brachte das Sächsische Wissenschaftsministerium einen Hochschulentwicklungsplan in die Diskussion, nach dem in Chemnitz Chemie, Geographie, Romanistik und alle Lehramtsstudiengänge gestrichen werden sollten. Es formierte sich, besonders an der Philosophischen Fakultät, aber auch an der ganzen Universität Protest gegen die Pläne, besonders gegen die Schließung des Lehramtes. Holm organisierte diesen von Anfang an mit und das hatte zwei bedeutende Auswirkungen für sein weiteres Leben. Die erste war, dass er Andreas Neubert kennenlernte, der sich (und seine Band Anti Clock Rotation) anbot, beim geplanten Weihnachtsüberlebnisantiamputationsfest auf dem Opernplatz, ein uniweites Fest, um die Öffentlichkeit von den Problemen an der TU zu sensibilisieren. Das Fest fand am 6. Dezember bei -15° statt und war ein Erfolg. Die Studenten gaben den Startschuss zu einer langen Reihe von Protestnoten und Sympathiebekundungen, was aber den Abbau des Lehramtes im Austausch gegen den Ausbau der Psychologie nicht verhindern konnte. Die zweite bedeutende Auswirkung war Holms entstandene Beziehung zum Studentenrat der TU Chemnitz, die in einer Tätigkeit der studentischen Selbstverwaltung als Referent für Hochschulpolitik und Öffentlichkeitsarbeit gipfelte. Der wichtigere Gipfel war aber das so genannte StuRa-Wochenende bei dem aus viel Alkohol und lauten Gesang eine Band hervorgehen sollte, deren Name Konzept war und lautete: ZurNot. Obwohl sich diese Band nie wirklich darum geschert hat, gut zu sein und Peter Kirbach am Bass (mittlerweile Erfurt) und Swen Baumann (mittlerweile Hamburg) auch mit Musik nicht wirklich beschäftigt sind, trifft sich die Band einmal im Jahr (und das seither jedes Jahr), um nach einer (in Zahlen 1!) Probe die alten Lieder voller postpubertärer Gefühlswallungen zu zelebrieren. Dass das bei den Männern mittlerweile fortgeschrittenen Alters einer gewissen Komik nicht entbehrt darf sich vorgestellt werden. So bekamen die Events auch oft den Titel lustigstes Balladenkonzert des Jahres.
Mitte 1997 gab es also das erste ZurNot.-Konzert, damals noch mit Daniel Seifert, dessen hohe technische Rafinesse beim Gitarrenspiel und seine offensichtliche Abneigung gegen 'improvisierte Instrumentennutzung' (siehe RocknRoll!) zu einer Trennung wenig später führte. Holm hatte immer noch alle Hände voll zu tun, Studium, Studentenrat und diverse Jobs machten das Erlernen einer ausgefeilten Gitarrentechnik unmöglich. Dafür beschäftigte sich Holm mit Determinismus und seinen Spielarten und war sich zu dieser Zeit ziemlich sicher die 'richtige' Philosophie entdeckt zu haben.

Der Klub

Als der Wiwi-Club an der TU Chemnitz geschlossen wurde, hatte Holm sofort ein paar Ideen zur Nachnutzung und sprach ein paar Leute, die er größtenteils aus Seminaren der Germanistik kannte, an und so wurde im Dezember 1998 der Club "beispielsweise" eröffnet.

Das Stadlerlabor

Heute singt und spielt er Gitarre bei Solche.