Bild dir eine Ausstellung

Aus Solche
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Medium

Dies ist also das erste Album der Band Solche. In einer Auflage von 500 Stück erschienen, fällt besonders die Aufmachung ins Auge. Die CD kommt in einer VHS-Hülle, da ihr eine Bild-Zeitung vom 5.3.2004 beiliegt. Das Album setzt sich besonders mit Medien und Kommunikation auseinander, was aber nicht daran hindert, dass die 11 Songs des Albums durchaus rocken.


Selbstbeschreibung

Dieses Werk ist nicht leicht. Es kann und soll in der Folge des Genusses zu Wahrnehmungsveränderungen kommen und das ambitionierte Projektil könnte Ihren Balkenkörper respektvoll belasten. Bild dir eine Ausstellung heißt, dass das nicht das Ende ist. Aber vielleicht - und dann immerhin - ein Anfang. Die Spielwiese des mentalen Spaziergangs bildet beiliegendes Presseexemplar. Doch warum diese beiliegende Zeitung?

Unsere Geschichte beginnt am 05.03.2004. An diesem Tag wird beschlossen, für das erste Album bereits vorhandene Lieder beiseite zu legen und ein völlig neues Projekt zu beginnen. Die Band beschließt, sich eine Zeitung zu besorgen, um das zu dokumentieren. Geiselnehmerhaft wird die BILD-Zeitung dieses Tages genommen - bzw. von BILD zur Verfügung gestellt. Es beginnen die Arbeiten an den Stücken. Als Inspiration dienen verschiedene Zeitungsartikel, die aber weder im Sinne eines Abschreibens noch als Kanonenfutter benutzt werden. Es geht darum, die Gesellschaft in der Kunst nicht außen vor zu lassen, sondern mit allem, was daran hängt, tief hinein zu tragen und dort die Augen weit auf- und auszureißen. Bei vielen wirkt es abstoßend, wenn das Thema 'Lady Di' heißt, aber das Lied Nur Weg nimmt dieses Thema auf und kommt zu der Frage:"Wie schnell muss man fahren, um von sich selbst wegzukommen?". Die Flucht vor dem, was man ist, endet in dem, was man ist. Das Geschoss, das in der Luft liegt und uns töten wird, obwohl es niemanden interessiert. Die nackte Gina, die früher vielleich ganz anders war, aber alles rollen ließ. Die zwei Uniform-Lieder über zwei identische Artikel, die einerseits aus der Perspektive des Uniformierten, andererseits aus der Perspektive des mit der Uniform Konfrontierten die Welt beschreiben. Der Aufmacher Horst Wer? fragt, warum ein Banker den Staat repräsentiert. Das 'Meta-Lied' Wetterglas, welches dieses ganze Album reflektiert. Kolossal ist ein Lied über die dankbaren Arbeitslosen, die immer noch "Helmut, Helmut" rufen und den Widerstand gegen die Geschichtsschreibung der Sieger. Die alltagsferne Trivialität eines Artikels über eine Blumenausstellung wird in Kamelienblüte verarbeitet. Das Lied Guten-berg über den Amoklauf von Erfurt beginnt mit 17 Schlägen und wird zur Reise in längst verdrängte Gewaltenteilungen. Letztendlich versinkt das Album an einer Werbung für das Traumschiff und die Kapelle spielt bis zuletzt SOS. In den verschiedenen Liedern werden Dinge beschrieben, die an existenzielle Fragen und Plagen des Menschen rühren. So schlängelt sich das Album mal entfernt, mal weiter entfernt von Werbung zu Artikel zu einer Kurznachricht und zurück. In diesem Sinne heißt Bild dir eine Ausstellung auch, in einer Welt der Massenmedien nicht zu verzweifeln, sondern diese anzuerkennen, zu verwandeln, zu verändern und als Spielplatz und als Spielzeug zu nutzen. Die nächste Ausstellung ist deine, beeile dich und mach los. Raus aus dem Schatten heißt das bei Solche und ist auch so gemeint. ..." CD


Rezensionen

"Der Versuch eines Konzept-Albums geht auf, was wohl hauptsächlich Kriegers großem Texter-Talent geschuldet ist. Musikalisch muss man den sparsam arrangierten und trotzdem treibenden Akustik-Rock von Solche mögen. Diese Band bewegt sich musikalisch wie inhaltlich angenehm abseits irgendwelcher angesagten Trends und zieht ihr Ding durch. Und das allein ist ja schon außergewöhnlich genug." (dreisiebeneins)

"Inspiriert von Schlagzeilen, Kurzmeldungen und Werbeanzeigen ... hat die Campusband nun eine bemerkenswerte LP gebastelt. Die Texte besitzen Vorzeigecharakter, ihre Songs sind mehr als nur einfache Akustiknummern mit Taktverstärkung, und die Arrangements setzen sich sowieso sofort ins Ohr" (Stadtstreicher)

"Solche sind als solche ein Duo, welches sich vielleicht im musikalischen Rahmen des deutschsprachigen Singer-Songwriter-Rocks bewegen würde, wenn... Ja, wenn die Band nicht aus der Stadt mit Köpfchen bzw. der Stadt der Moderne käme. Scheinbar verpflichten diese Leitsprüche als solche, so daß Solche auch nicht hinten anstehen wollten. Allen voran Holm Krieger, der mit seinen gewandten Texten den philosophischen Unterbau liefert. Andreas Neubert hat aber auch alle Hände voll zu tun, um Holms monströse Wort- und Satzgebilde geschickt in die intelligenten Songstrukturen hineinzutreiben. Dies ist aber längst nicht alles, denn Solche liefern auch Antworten auf lebenswichtige Fragen des Alltags. So beantwortet Ihr aktuelles Werk "Bild Dir Eine Ausstellung" indirekt folgendes: Muß mit der Videokassette zwangsläufig auch die Videobuchhülle sterben? Scheinbar nicht! Ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern? Wohl kaum! Muß der, der hören will, wirklich lesen oder der, der lesen will, wirklich hören? Wir meinen "Ja!", denn die neue CD, die alte Zeitung, die verbindende Bedienungsanleitung und die allumfassende Videobuchhülle von Solche, entlässt uns auf angenehme Art und Weise aus den gewohnten Rezeptionsmustern. Beginnen wir, zur besseren Verständigung, mit einer Chronologie der Ereignisse und bringen den Künstlern anschließend Verständnis entgegen. Es muß so um den 05.03.2004 gewesen sein, als sich die oben genannte Band entschloss, den Rückläufern der BILD-Leipzig von eben jenem Tage, eine zweite Chance zu geben. 500 solcher Remittenden, wie der Zeitungsfritze sagt, wurden an Solche ausgegeben und innerhalb der nächsten 3 Jahre bemerkenswert "bearbeitet". Bemerkenswert insofern, als daß sich hier ein müheloser und vielschichtiger Paradigmenwechsel vollzieht, ohne daß die Musik darunter leidet. Etwas bekommt eine zweite Chance, ohne sich die erste verdient zu haben. Etwas, was in den 80er Jahren die audiovisuelle Pornosammlung salonfähig machte, macht nun bei diesem künstlerisch wertvollen Altpapier-Recycling-Projekt eine enorm gute Figur. Duplizität des Ereignisses, sagt Ihr? Wir sagen, FAZ, Welt oder Süddeutsche hätten sicherlich das Format gesprengt. Wenn es passt, dann passt es eben und so bekam auch der Begriff des Rückläufers eine völlig andere Bedeutungsebene zugewiesen. Und wenn dieses Projekt nach 500 Exemplaren endgültig abverkauft ist, dann werden viele ungläubig, aber mit stolz geschwellter Brust sagen können: "Meine erste BILD-Zeitung!", wer hätte das gedacht? Denn Solche haben für die 11 Titel ihres Debütalbums eben diese, dem Paket beiliegende, Zeitung als Inspirationsquelle verwendet. In Anlehnung an die verschiedenen Zeitungsartikel jenes Tages wurden Texte und Songs geschrieben, welche auf einer CD nun diese Debüt-VHS-Hülle komplettieren. Besser kann ich es eben nicht erklären. Und was hier nicht steht, steht nicht etwa in der taz, sondern auf der Webseite der Band. Oder wie bereits erwähnt, in der BILD-Zeitung vom 05.03.2004 bzw. im Booklet zur CD, welche übrigens auch sehr schöne Songs enthält. Allerdings, und darauf legen Solche Wert, wird es eine Neuauflage nicht geben, da das Album nur mit der Zeitung komplett ist. Auch wenn wir beschwörend anmerken wollen, daß die Musik möglicherweise auch ohne die Zeitung funktionieren könnte." (poprockunion)

"Es gibt ja wirklich wenig originelle Ideen was eine CD-Gestaltung angeht. Entweder man verpackt den Silberling in eine blaue Plüsch-Tasche oder als Pizza in einen kleinen Pizzakarton (siehe Die Ärzte) oder man fabriziert eine "black bottom oder red bottom" CD. Die Band "Solche" aus Chemnitz hatten gleich mehrere Ideen auf einmal. Die CD sieht ansich ganz normal aus, ist aber in einer VHS-Hülle verpackt - inklusive einem Booklet und einer BILD-Zeitung vom 05.03.2004. Ziemlich originell muss ich zugeben - doch noch origineller ist die Idee, die hinter den Songs steckt: Die Songs sind die musikalischen Umsetzungen und Interpretationen zu den Themen dieser BILD-Zeitung. So etwas Ähnliches gabs schonmal. Erinnern wir uns an die CD "Was viele nicht zu singen wagten" von der Band ROH, auf der die Band die Leserbriefe von verzweifelten und sex-neugierigen Teenies auf der berühmten Dr. Sommer Seite der BRAVO vertonte. Bei "Solche" wird aber nicht bloß der Text vorgesungen, nein er wird nach bester Philosophen-Manier interpretiert. Und dann ist da noch etwas: "Bild Dir eine Ausstellung" - das Wortspiel mit der BILD haben wir nun verstanden. Der Teil mit der Ausstellung erinnert mich doch sehr stark an das in meiner Schulzeit so gehasste "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. Verwirrend, aber irgendwie ziemlich genial das ganze Konzept. Hinter der Musik der beiden Jungs aus Chemnitz steckt ein spielfreudiger Akustikrock mit einem Mann an den Drums und einer an der Gitarre und am Mikrophon." (venue music)

"Das Album der Band Solche aus Chemnitz erscheint sowohl optisch als auch akustisch recht unhandlich. Es braucht möglicherweise viel Zeit, das gesamte Werk in seiner Absicht als Gesamtkunstwerk zu erfassen. Es scheint sehr viel Leidenschaft in die Gestaltung gesteckt worden zu sein und auch viele Details der Musik deuten so etwas an. Leider porträtieren sie auch einiges an Unzulänglichkeiten, die natürlich sehr aufrichtig sind, aber einem Genuss über einen gewollten Kunstaspekt hinaus im Wege stehen. Die Produktion bildet recht offensiv den Mangel an Arrangement ab, was in der Besetzung begründet ist, aber eben doch schnell zu Langeweile führt, die weder die wortreichen Texte noch die kleinen Details, die manchmal glücken, aber auch manchmal an Spielungenauigkeiten scheitern, kaschieren können. Es ist viel rotgrüne Liedermacherhaftigkeit in den Stücken, was aber eher von z.B. Funny Van Dannen oder Götz Widmann veralbert besser zu sein scheint. Die Ästhetik hat natürlich auch einen Punk-Aspekt (obwohl Punk den Kunstanspruch verneinen muss, um die eigenen Widersprüche zu feiern), kommt aber durch die Stimme kaum bis nicht von Hanneswaderismen weg. So bleibt das Album also ein nur grundsätzlich interessantes Projekt, welches in dieser Umsetzung eher verliert." (Oliver Ding, plattentests.de)